In der spanischen Exklave Ceuta an der nordafrikanischen Küste spitzt sich die Lage dramatisch zu. Innerhalb weniger Tage sind mehr als 1.500 Menschen aus Marokko in das nur 18 Quadratkilometer große Gebiet gelangt – teils schwimmend, teils über einen Grenzübergang.
"Wir befinden uns in einer Situation des totalen humanitären und sozialen Notstands", erklärte Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas. Die Aufnahmezentren seien völlig überlastet. Mindestens neun Menschen ertranken beim Versuch, die Exklave schwimmend zu erreichen.
Die spanische Regierung reagiert nun mit der Entsendung von Soldaten, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Das Militär soll die Guardia Civil vor Ort unterstützen. Die Personalstärke der Polizeikräfte in Ceuta wird von derzeit 80 auf nahezu 160 Beamte verdoppelt.
Italiens Ministerpräsidentin Georgia Meloni nannte die Bilder aus Ceuta "schockierend" und kündigte "außergewöhnliche Maßnahmen" an – bis hin zum Aussetzen des Schengen-Abkommens mit Spanien. "Die irreguläre und unkontrollierte Einwanderung stellt eine Gefahr für die nationale Sicherheit dar", begründete Außenminister Antonio Tajani die Forderung.
Madrid reagierte empört und bestellte den italienischen Botschafter ein. Spaniens Außenminister José Luis Albares warf Rom vor, die Einwanderung für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Er erwarte "europäische Solidarität und nicht parteipolitische Demagogie".
In den USA nahmen hochrangige Vertreter der Trump-Regierung die Ereignisse zum Anlass, um die rigide Einwanderungspolitik des Präsidenten zu verteidigen. Vize-Stabschef Stephen Miller warnte auf der Plattform X vor einer Rückkehr der Demokraten an die Macht.
Ceuta hat gemeinsam mit der Exklave Melilla die einzige Landgrenze der EU mit Afrika. Die Gebiete sind deshalb regelmäßig Ziel von Menschen, die sich ein besseres Leben in Europa erhoffen. Es handelt sich um die größte Zahl an Ankünften seit 2021, als mehr als 10.000 Menschen die Grenze stürmten.