Es sind Szenen, die bei österreichischen und deutschen Politikern alle Alrmglocken schrillen lassen. Innerhalb weniger Stunden sind Hunderte Menschen über das Meer von Marokko in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika gekommen.
Auf die jüngsten Tage gesehen sind es Tausende, die Aufnahmezentren für Flüchtlinge waren bereits zuvor heillos überfüllt. "Wir befinden uns in einer Situation des totalen humanitären und sozialen Notstands", sagte der Präsident des Gebiets, Juan Jesús Vivas, am Donnerstag.
Bereits am Vortag hatte Vivas erklärt, dass mehr als 1.500 Menschen – Erwachsene wie auch Minderjährige – über das Meer angekommen sind. Die Aufnahmezentren in Ceuta seien völlig überfüllt und könnten keine weiteren Menschen mehr aufnehmen.
Das spanische Innenministerium teilte mit, dass verschiedene Ministerien "koordiniert" zusammenarbeiten, um "mit größtmöglicher Schnelligkeit und Effizienz auf die Situation in Ceuta zu reagieren".
"Ausnahmezustand in der spanischen Exklave Ceuta! Migranten aus Marokko haben die Grenze übers Meer durchbrochen und überrennen aktuell die Hafenstadt. Behörden vor Ort rufen sogar das Militär um Hilfe, überall Chaos! Jetzt gilt: Festung Österreich, ein zweites 2015 muss unbedingt verhindert werden", schrieb etwa FPÖ-Chef Herbert Kickl.
Ähnlich klang dies bei AfD-Chefin Alice Weidel: "Die spanische Exklave Ceuta wird derzeit überrannt: Bereits mehr als 1.500 Migranten, vorwiegend aus Marokko und Algerien, gelangten in kürzester Zeit in die EU. Ihr Ziel dürfte mutmaßlich Deutschland sein. Grenzen müssen jetzt geschlossen und Abweisungen rigoros durchgesetzt werden. 2015 darf sich nicht wiederholen!"
Beim Medium "El Pais" hier es: "Eine Welle von Menschen, Tausende von ihnen, hat unkontrolliert von Marokko nach Ceuta überquert. Die Guardia Civil und die Rettungskräfte, überfordert, kümmern sich nur um die Verletzten. Die Beamten mussten die Tore öffnen, weil sie verhindern wollten, dass sich ein Stau bildet."
Innenminister Fernando Grande-Marlaska wollte am Freitag nach Ceuta reisen, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen und sich mit Behördenvertretern auszutauschen. Die Regierung habe ihre Ressourcen aufgestockt, "um die Sicherheit und die Kontrolle der Migration sowie die notwendige humanitäre Hilfe zu gewährleisten, damit auf See keine Menschenleben gefährdet werden", so das spanische Innenministerium.
Auch die marokkanische Regierung arbeite eng mit Spanien zusammen, um die Situation zu bewältigen. Marokkanische Sicherheitskräfte hätten die Ankunft "zahlreicher Menschen" verhindert, die versucht haben, von Marokko aus nach Ceuta zu kommen.
Ceuta und die ebenfalls spanische Exklave Melilla bilden die einzige Landgrenze der EU zu Afrika. Diese Gebiete sind deshalb immer wieder Ziel von Menschen, die auf ein besseres Leben in Europa hoffen. Für viele Migranten ist Marokko ein Transitland auf dem Weg nach Europa.