"Krise" ist bewältigbar

Lampedusa: Papst ruft zu mehr Schutz für Migranten auf

Bei seinem Besuch auf der Mittelmeerinsel forderte er mehr Hilfe für Entwicklungsländer, damit "niemand mehr gezwungen ist, zu emigrieren".
Nick Wolfinger
05.07.2026, 11:52
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Mit einem Besuch auf der Mittelmeerinsel Lampedusa hat Papst Leo XIV. ein deutliches Zeichen in der Migrationsdebatte gesetzt. Bei einer Freiluftmesse forderte das Oberhaupt der katholischen Kirche Europa auf, mehr für den Schutz und die Integration von Migranten zu tun.

Von diesem "entlegenen Winkel" Europas aus werde die historische Herausforderung durch Migration besonders deutlich, sagte der Papst. Europa sei aber in der Lage, diese "Krise" zu bewältigen und "sofortige Hilfe in einen langfristigen Plan einzubinden, um Migranten aufzunehmen, zu schützen, zu unterstützen und zu integrieren".

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Der Besuch gilt als Botschaft an die Regierungen in der EU und den USA. Erst vor zwei Wochen trat der neue EU-Asylpakt in Kraft, der die Einreise- und Asylregeln verschärft.

Appell gegen Armut und Angst

Leo XIV. forderte Europa auf, Entwicklungsländer stärker zu unterstützen, damit "niemand mehr gezwungen ist, zu emigrieren". Gleichzeitig kritisierte er Korruption in den Herkunftsländern, ein Wirtschaftssystem, das Armut und Ausgrenzung fördere, sowie die Angst, die "Vorurteile und Verachtung schürt". Auch Menschenhändler, die aus dem Leid anderer Profit schlagen, prangerte der Papst an.

Auf Lampedusa gestrandete Migranten unter den Besuchern rufen den Papst dazu auf, auf die "libysche Hölle" auf der anderen Seite des Ozens zu blicken.
Reuters

Der aus Chicago stammende Pontifex hatte seine Reise bewusst auf den 4. Juli gelegt - den 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der USA. Bereits vor seinem Besuch hatte er zu mehr Mäßigung in der Migrationsdebatte aufgerufen und an den Beitrag von Einwanderern zur Geschichte der Vereinigten Staaten erinnert.

Gebet für die Opfer im Mittelmeer

Zum Auftakt seines Besuchs legte Leo XIV. an den Gräbern nicht identifizierter Migranten einen Kranz nieder. Anschließend betete er am Denkmal "Tor nach Europa" und traf dort eine Migrantenfamilie. Den rund 6.000 Einwohnern von Lampedusa dankte er für ihre Solidarität mit Geflüchteten.

Papst Leo an Gräbern von unbekannten Flüchtlingen, die im Mittelmeer ertrunken sind.
CIRO FUSCO

Am Hafen segnete der Papst außerdem eine Gedenktafel für seinen Vorgänger Franziskus, der Lampedusa 2013 als Ziel seiner ersten Reise gewählt hatte.

Gefährlichste Fluchtroute der Welt

Nach Angaben des UN-Flüchtlingswerks UNHCR sind heuer bereits rund 14.000 Migranten in Italien angekommen, fast 60 Prozent von ihnen auf Lampedusa. Das zentrale Mittelmeer gilt laut der Internationalen Organisation für Migration als gefährlichste Fluchtroute der Welt. Allein im vergangenen Jahr kamen dort rund 1.330 Menschen ums Leben oder gelten als vermisst.

Mit seinem Besuch auf Lampedusa knüpfte Leo XIV. bewusst an das Vermächtnis seines Vorgängers Franziskus an und rückte das Schicksal von Migranten erneut ins Zentrum der Weltöffentlichkeit.

{title && {title} } NW, {title && {title} } 05.07.2026, 11:52
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