"Sperrt Schulen auf": Hier sprechen Wut-Eltern Klartext

Müde Eltern und Kinder beim Homeschooling im dritten Lockdown
Müde Eltern und Kinder beim Homeschooling im dritten LockdowniStock (Symbolbild)
Nach dem ersten Tag Homeschooling im dritten Lockdown sind Eltern und Schüler frustriert. Im Gespräch mit "Heute" fordern sie Schulöffnungen.

Von rund 14 Wochen Schule hat der siebenjährige Sohn von Sarah* "ungefähr fünf bis sechs Wochen insgesamt" seit Schulbeginn in der Schule verbracht. Die Frustration ist groß. "In der Volksschule ist alles neu und es gibt keinerlei reinkommen in diesen neuen Abschnitt. Es war zwei Wochen lang Schule, danach wieder Lockdown", ärgert sich die Mutter. Nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Kinder ist der Alltag, der regelmäßig von Ferien, schulautonomen Tagen und drei Wochen Lockdown unterbrochen wird, eine große Herausforderung. 

Motivation bei Schülern sinkt drastisch

Für die Wienerin und ihren Sohn scheitert der Heimunterricht besonders an der Technik. "Die Lehrerin ist zwar sehr bemüht, aber technisch nicht sehr versiert. Sie versucht per Teams Kontakt zu halten, allerdings müssen wir Eltern die Aufgabenstellungen alleine zu Hause bewältigen und das wird langsam echt sehr mühsam neben Homeoffice, vor allem da nicht beide Elternteile ständig im Homeoffice sein können." 

"Was ich mir von der Regierung wünschen würde ist, dass sie nicht 'wischiwaschi Beschlüsse' auf unsere Kosten machen"

Die Mutter des Volksschülers ist mittlerweile, wie viele andere Eltern, ausgebrannt. Kinder beim Lernen betreuen und nebenher die Arbeit im Homeoffice erledigen kratzt am Nervenkostüm. Eine Balance zu finden, ist mittlerweile fast unmöglich. Auch für die Schüler und Schülerinnen wird das Distance Learning immer mehr zur psychischen Belastung. "Das Kind ist total unmotiviert und unwillig zu arbeiten, weil es natürlich lieber spielen möchte", so Sarah.

Eltern fordern Regierung auf, die Schulen zu öffnen

Unmotiviert kommt vielen Eltern derzeit auch die Regierung vor. Laut dem Bildungsministerium hieß es, dass die Schulen von der Debatte um das gescheiterte "Freitesten" nicht betroffen sind, da das gesamte Schulwesen im diskutierten Gesetzesentwurf nicht einmal vorkommen würde. Laut Bildungsminister Heinz Faßmann ist ein Schulstart mit Anwesenheit für alle am 18. Jänner geplant. ÖVP-Klubobmann August Wöginger erklärte hingegen, dass auch die Schulen bis 24.1. geschlossen bleiben werden.

"Unsere Regierung schafft es, Regeln für Skigebiete aufzustellen, aber nicht für die Schule. Die Bildung unserer Kinder verkommt komplett."

Die Folgen der politischen Kommunikation: Eltern kennen sich überhaupt nicht mehr aus. "Was ich mir von der Regierung wünschen würde ist, dass sie nicht 'wischiwaschi Beschlüsse' auf unsere Kosten machen", ärgert sich Sarah. "Ich möchte mein Kind zwar gerne in die Schule schicken, aber wenn es nur Zeit absitzt und wir am Nachmittag wieder die ganzen Hausaufgaben bewältigen müssen, dann erleichtert uns das überhaupt nichts." 

Erleichterung wünscht sich auch Karin*, eine Mutter von Zwillingen, die die erste Klasse Volksschule besuchen. Die Wienerin ist alleinerziehend und arbeitet als Selbstständige. "Man soll den Kindern etwas beibringen, wovon man selbst pädagogisch keine Ahnung hat. Ich finde das eine bodenlose Frechheit. Die Kleinen kommen mit dem Lernstoff nicht weiter. Wie soll das in der zweiten Klasse aussehen, wenn alle auf einem unterschiedlichen Bildungsstand sind? In Wahrheit sollten die Kinder alle die erste Klasse wiederholen", erklärt die Zweifach-Mama. "Unsere Regierung schafft es, Regeln für Skigebiete aufzustellen, aber nicht für die Schule. Die Bildung unserer Kinder verkommt komplett."

Masken und mehr Pausen im Unterricht

Auch Wienerin Miriam* hat ein Kind in der Volksschule. Ihr Sohn geht in die zweite Klasse. "Wir sind im 3. Lockdown schon besser eingespielt als im Frühling. Da war das Homeschooling eher eine Qual für alle Beteiligten. Dennoch ist es wirklich oft kaum möglich, konzentriert zu arbeiten und gleichzeitig mit dem Kind zu lernen, dazu mindestens dreimal am Tag für reichlich Essen zu sorgen und dazwischen noch spielen und rausgehen. Mein Tag hat auch nur 24 Stunden", so die 40-Jährige. Ihre Befürchtung: "Ich glaube, wir werden das jetzt noch bis 24. Jänner aushalten müssen, aber langsam macht das so echt keinen Spaß mehr. Ich wäre eher für Masken im Unterricht und dafür mehr Pausen, dann kann die Schule auch schon am 18. Jänner aufmachen."

*Namen von Redaktion geändert

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