Ärzte und Pflegekräfte der Klinik Ottakring arbeiten laut eigenen Messungen seit Wochen bei Temperaturen von bis zu 40 Grad – "Heute" berichtete kürzlich. Doch auch in den Patientenzimmern scheint es nicht wesentlich kühler zu sein, wie eine Recherche jetzt zeigt.
So musste die 93-jährige Helga H. bei 39 Grad im Zimmer aushalten. Ihre Tochter, Claudia H. ist entsetzt: "Ich hatte Angst, dass meine Mutter die Nacht im Spital nicht überlebt wegen der Hitze", sagt sie.
Vergangenen Freitag wurde Helga aufgrund eines Harnwegsinfekts in der Klinik Ottakring gebracht. Die 93-Jährige ist dement, Krankenhausbesuche gehören für sie schon fast zum Alltag. "Die Temperaturen im Zimmer waren unerträglich", schildert Tochter Claudia. Ventilatoren sind aus hygienischen Gründen nicht erlaubt. "Ich habe meiner Mutter dann in Eigeninitiative kühle Handtücher aufgelegt; mehr konnten wir nicht tun", erzählt Claudia.
Die Wienerin hat sich an die Ombudsstelle gewandt. Dort erhielt sie die Information, dass im Zimmer auf der Station am Dienstag gegen 14 Uhr 39 Grad gemessen wurden. "Die Patienten dort sind einfach arm", sagt Claudia. Mittlerweile konnte sie erreichen, dass ihre Mutter in ein anderes Spital überstellt wird.
Dem Personal möchte die Wienerin keine Schuld geben, "die leiden selbst und tun eh, was sie können". Doch sie sieht Versäumnisse in der Politik. "Man muss die Spitäler dringend nachrüsten", sagt sie.
Der Wiener Gesundheitsverbund (Wigev) erklärte zuletzt gegenüber "Heute", dass es aufgrund der Pavillonstruktur der Klinik Ottakring derzeit nicht möglich sei, alle Räumlichkeiten zu kühlen. Man greife aber auf kurzfristige Maßnahmen zurück, wie die Verteilung von Kühltüchern, den Einsatz von Ventilatoren und Kühlgeräten.
Patienten mit Hitzesymptomen werden in gekühlte Bereiche gebracht, mit externen Kühlmaßnahmen, wie dem Auflegen von Cool Packs, und kühlenden Infusionen versorgt, teilt der Wigev mit. Außerdem wurden zum Teil Betten von besonders betroffenen Stationen in kühlere Bereiche verlagert oder Ausweichmöglichkeiten für einzelne Zimmer geschaffen.
Langfristig ist dann im Neubau der Klinik Ottakring "eine umfassende und energieeffiziente Kühlung geplant". Patientenzimmer, Untersuchungsräume und Büros werden mittels Kühldecken und Bauteilaktivierung gekühlt. Die Allgemeinpsychiatrische Abteilung und Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie wurden bereits fertiggestellt, derzeit befindet sich das Verwaltungsgebäude im Bau. Das gesamte Projekt soll 2040 abgeschlossen sein.