"Heute": 20 Jahre "Heute" in NÖ. Sie sind der jüngste Parteichef. Wie sah Ihr Leben im 2006 aus?
Sven Hergovich: Ich hatte einen Ferienjob bei einem Bootsverleih an der Alten Donau. Da habe ich Schiffe geschrubbt und geputzt und mir so eine Interrailreise durch Europa finanziert.
"Heute": Welche Schlagzeile ist Ihnen in Erinnerung geblieben?
Hergovich: Besonders die, bei denen Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher unterstützt wurden, die Unrecht erfahren haben oder Missstände aufzeigen. Beispielsweise eine junge Pflegerin in ihrem Kampf gegen die Gesundheitsagentur. Die Mächtigen zur Verantwortung zu bringen, ist die wichtigste Aufgabe des Journalismus.
"Heute": Kommen wir zu Aktuellem: Bereitet Ihnen als ehemaligen AMS-Chef der Anstieg der Arbeitslosigkeit – in NÖ stärker als im Österreich-Schnitt – Sorgen?
Hergovich: Absolut. Die Untätigkeit von Schwarz-Blau rächt sich. Da geht es um Schicksale von Familien und nicht nur um irgendeine Zahl. Menschen, die arbeiten können, zur Untätigkeit zu zwingen, ist ein politischer Skandal.
"Heute": Wie kann man Menschen, die Ihren Job verloren haben, wieder in Beschäftigung bringen?
Hergovich: Ein Land, das in Öffis, Spitäler und Kindergärten investiert, beschäftigt Unternehmen und schafft so Arbeit. Bei uns fehlt inzwischen oft selbst fürs Freibad das Geld. Statt selbst im Bad das Licht abzudrehen, muss wieder in die Regionen investiert werden.
„Für uns ist deshalb völlig klar: Die Notarztstandorte müssen bleiben.“Sven HergovichLandesrat (SPÖ)
"Heute": Der Sozialleistungsbetrug hat sich in NÖ in nur zehn Jahren mehr als verzehnfacht. Wie kann man diese Form der Kriminalität wirksam bekämpfen?
Hergovich: Arbeit muss sich lohnen, Arbeit ist aber auch eine Verpflichtung. Sozialbetrug muss streng bekämpft werden. Als AMS-Chef habe ich einen Erhebungsdienst gegen Sozialmissbrauch gegründet. Das könnte man jederzeit wieder machen.
"Heute": Derzeit gibt es ein politisches Tauziehen um Notarztstützpunkte. Es muss überall gespart werden: Sind Sie für einen Kompromissvorschlag offen?
Hergovich: Politik ist immer Kompromiss. Niemand wünscht sich, einen Notarzt zu brauchen. Doch wenn man ihn braucht, muss er sofort da sein. Für uns ist deshalb völlig klar: Die Notarztstandorte müssen bleiben.
"Heute": Wie soll NÖ nach der nächsten Wahl aussehen?
Hergovich: Leistbare Energie, bezahlbarer Wohnraum und sichere Verhältnisse mit der SPÖ Niederösterreich.