Politik

SPÖ-Knalleffekt: Doskozil tritt gegen Rendi-Wagner an

Roter Showdown! Burgenland-Chef Hans Peter Doskozil steigt gegen Pamela Rendi-Wagner in den Ring. Alle SPÖ-Mitglieder sollen die Führungsfrage klären. 

Clemens Oistric
Hans Peter Doskozil (52) will Vorsitzender der SPÖ werden.
Hans Peter Doskozil (52) will Vorsitzender der SPÖ werden.
Helmut Graf

Knalleffekt vor der SPÖ-Präsidiumssitzung am Mittwoch: Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (52) will einen Entscheid bei sämtlichen Parteimitgliedern der Sozialdemokraten herbeiführen. Diese sollen die Führungsfrage bei den zerstrittenen Roten klären. Er selbst wird sich dem Votum stellen.

Mit den Worten "Ich habe mich entschlossen, mich mit einem breiten Team für den Parteivorsitz der SPÖ zu bewerben" beendete Doskozil am Dienstag das Rätselraten über seine Pläne.

Sein Büro war vorerst nicht erreichbar. 

Brief 1,5 Seiten lang

Sehr schnell jedoch fand das an die roten Parteigranden adressierte Schreiben den Weg an die Öffentlichkeit. Doskozils Brief ist gut eineinhalb Seiten lang und sehr persönlich. Die SPÖ stecke "unbestritten in einer Krise", gesteht er ein. Es gebe "tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten über die thematische Ausrichtung" der Partei, schreibt er. Und verhehlt auch nicht, dass die Bruchlinien zwischen ihm und Pamela Rendi-Wagner verlaufen: "Ja, diese Uneinigkeit wird auch mit Personen verbunden." Dies sei aber explizit "kein Rosenkrieg", so der Burgenland-Chef, führt aus: "Im Kern geht es ausschließlich um die Frage, mit welchen konkreten Programmen und Maßnahmen wir als SPÖ auf die konkreten Sorgen der Menschen in Österreich reagieren wollen und die verlorene Glaubwürdigkeit wiederherstellen können."

Doskozil: "Nein, das ist kein Rosenkrieg"

Derzeit werde "eine von der FPÖ geführte Regierung unter Herbert Kickl immer wahrscheinlicher", diesem Szenario möchte er "entschieden entgegentreten": "Das eint uns über alle inhaltlichen Differenzen hinweg." Dann skizziert Hans Peter Doskozil den Genossen sein Konzept (Mindestlohn, Mietpreis- und Wärmedeckel, Kampf gegen Zwei-Klassen-Medizin) ausführlich und sagt dann:

"Es ist hoch an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen und Klarheit zu schaffen."

Hintergrund: Die SPÖ gebe in der Öffentlichkeit derzeit "ein desaströses Bild ab". Er gesteht ein: "Daran haben auch mein Team und ich unseren Anteil", betont aber: "Es ist uns nie darum gegangen, auf einer persönlichen Ebene zu agieren."

"Ich bewerbe mich..."

Dann die Knaller-Ansage: "Ich habe mich daher nach Rücksprache mit meinen Freundinnen und Freunden der SPÖ Burgenland entschlossen, mich mit unserem Programm, unseren Inhalten und einem breiten Team, das ich noch vorstellen werde, für den Parteivorsitz der SPÖ zu bewerben."

Wer die SPÖ künftig führen soll, möchte er in die Hand der Mitglieder legen und am Mittwoch über einen "Mitgliederentscheid nach §24 des Organisationsstatuts" abstimmen. Es brauche nun "die Mitsprache unserer Basis", befindet er und kommt dann zum Schluss: "Selbstverständlich muss dieses Votum dann von allen Seiten akzeptiert werden."

Der Brief endet mit den Worten: "Glück Auf und Freundschaft, Euer Hans Peter Doskozil"

Doskozil in Umfrage vorne

"Heute" hat zuletzt die "Frage der Woche" nach dem beliebtesten SPÖ-Vorsitzenden der Österreicher gestellt. Doskozil landete in der Erhebung von "Unique Research" klar am ersten Platz –46 Prozent der 800 Befragten (Schwankungsbreite ± 3,5 Prozent) halten ihn für geeignet. Dahinter folgen Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und Altkanzler Christian Kern. Die amtierende Vorsitzende, Pamela Rendi-Wagner, kommt zwar bei den eigenen Wählern gut an, ist in der Gesamtbevölkerung jedoch nur vierte Wahl.

Alle Fotos: Die Karriere von Hans Peter Doskozil

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    Hans Peter Doskozil wurde im Rahmen der Flüchtlingskrise 2015 einer großen Öffentlichkeit bekannt. Hier im Bild: Der damalige Polizeidirektor mit Innenministerin Johanna Mikl-Leitner.
    Hans Peter Doskozil wurde im Rahmen der Flüchtlingskrise 2015 einer großen Öffentlichkeit bekannt. Hier im Bild: Der damalige Polizeidirektor mit Innenministerin Johanna Mikl-Leitner.
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