In einer ungustiösen Causa ermittelt jetzt die Exekutive: Der Fake-Brief (liegt "Heute" vor) ist professionell gemacht, mit Briefkopf vom Innenministerium: Darin bittet der Absender im Namen der AGES um eine Samenspende, weil im Zuge der Corona-Pandemie die Republik fast vor dem Abgrund gestanden sei.
Die Bundesregierung habe daher ein Programm "zur Erhaltung der durchschnittlichen Genetik der österreichischen Bevölkerung" beschlossen, eine "Staatsbürger-Samenbank" soll aufgebaut werden. "Dazu werden aus jeder Gemeinde jeweils fünf männliche Vertreter als Samenspender erwählt, die den Durchschnitt der Gemeinde repräsentieren sollen."
Beigelegt in das per Post verschickte Paket wurde ein Behälter, dieser sollte samt Ejakulat an eine VP-Gemeinderätin in Maria-Lanzendorf (Bezirk Bruck), die für die AGES arbeitet, zurückgeschickt werden. In dem Fake-Brief heißt es als "Anleitung": "Befüllen Sie dazu den beigefügten Behälter bis zur Markierung mit Ihrem Ejakulat und senden Sie das fertig befüllte Objekt in Originalverpackung bis spätestens einlangend 30. April an folgende Adresse...)."
Und weiter: "Bitte verwahren Sie den Sammelbehälter in der Zwischenzeit sicher im Kühlschrank oder einem anderen kühlen, dunklen Ort. Nach Ihrer Erstbefüllung mengen Sie bitte einen halben Teelöffel gewöhnlichen Haushaltszucker in das Ejakulat. Dies dient als Nahrung für die Spermien, damit sie bis zum Eintreffen im Labor stabil und gesund belieben und nicht verhungern (...)."
Nach einer Anzeige der AGES ans Bundeskriminalamt ermittelt nun die Polizei wegen der Fälschung von offiziellem Briefpapier, Verbreitung falscher Infos und Diskreditierung der AGES und einer ihrer Mitarbeiterinnen.
"Die AGES hat selbstverständlich rechtliche Schritte geleitet. Außerdem stellen wir klar, dass die AGES keine menschlichen Spermien sammelt, sie nicht überprüft und auch nicht in einer Samenbank konserviert", heißt es auf "Heute"-Anfrage seitens der AGES.
Wie viele Fake-Briefe im Umlauf sind, ist nicht klar: "Uns ist nur ein Brief bekannt", so Maria-Lanzendorfs Bürgermeister Michael Lippl (SP) zu "Heute". "Keine Ahnung wer das war, von uns kommt es nicht." Die VPNÖ kritisierte die Fake-Briefe als "unfassbare Schweinerei".
In Maria-Lanzendorf muss am 18. Mai neu gewählt werden. Eine Liste des Ex-Ortschefs war ausgeschlossen worden, diese hätte laut Landeswahlbehörde aber bei der Wahl antreten dürfen. In dem Marienwallfahrtsort sind laut dem Bürgermeister rund 1.700 Personen wahlberechtigt.