Stadt schnürt 30 Mio.-Paket für Fachkräfte und 50plus

Fist bump für den Wiener Arbeitsmarkt: Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ, l.) und waff-Geschäftsführer Fritz Meißl schnüren ein neues Arbeitsmarktpaket.
Fist bump für den Wiener Arbeitsmarkt: Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ, l.) und waff-Geschäftsführer Fritz Meißl schnüren ein neues Arbeitsmarktpaket.Denise Auer
Die Coronakrise hat den Fachkräftemangel in Wien verschärft, für Wiener über 50 Jahren bleibt es schwer. Ein neues Arbeitsmarktpaket soll nun helfen.

Über 20 Monate Coronapandemie hat tiefe Spuren im Wiener Arbeitsmarkt hinterlassen. Dennoch hat sich die Lage über den Sommer schrittweise bis hin zu einem Allzeithoch von 887.322 Beschäftigten im Oktober erholt. Im Oktober 2019, also noch vor der Corona-Pandemie waren 875.104 Erwerbstätige in Wien beschäftigt.

Gleichzeitig ist die Zahl der Arbeitsuchenden und Schulungsteilnehmer beständig zurückgegangen. Im November 2020 gab es 173.295 Arbeitsuchende und Schulungsteilnehmer in Wien, im heurigen November mit 144.189 um 16,8 Prozent weniger. Damit liegt die Zahl noch 5,1 Prozent über dem Wert von November 2019 (137.239).

Längst nicht alle profitieren von der Erholung

Trotz der weitgehenden wirtschaftlichen Stabilisierung gibt es am Arbeitsmarkt aber auch Gruppen, die von der Erholung nicht in gleichem Ausmaß profitieren können. Darunter sind vor allem langzeitarbeitslose und über 50-jährige Wiener sowie gering qualifizierte Personen, die ein überdurchschnittliches Risiko haben, arbeitslos zu werden.

Bei Arbeitsuchende über 50 Jahren ist die Arbeitslosigkeit zwar auch zurückgegangen, aber weniger stark als in den anderen Altersgruppen. 36.461 von ihnen sind im November arbeitslos oder in Schulungen, das ist ein Anteil an der Gesamtarbeitslosigkeit von 25,3 Prozent und 1.024 Personen mehr als im November 2019.

Geförderte Stellen werden auf 2.000 Plätze aufgestockt

Daher erweitert die Stadt daher ihre vor rund zwei Jahren gestartete Joboffensive 50plus. Das Programm von waff- Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds und AMS Wien mit der Joboffensive 50plus wird bis Ende 2022 verlängert. Zudem wird von 1.750 geförderten Stellen auf 2.000 Stellen aufgestockt. Die Stadt stellt dafür weitere 4,1 Mio. Euro zur Verfügung, insgesamt sind es nun 19 Millionen Euro.

"Diese Förderung ist das attraktivste Angebot für private Unternehmen in ganz Österreich",  streicht Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ) hervor. Stellt eine private Firma über 50-Jährige ein, die davor mindestens ein Jahr arbeitslos waren, werden die ersten sechs Monate zu 100 Prozent gefördert, für die verbleibenden weiteren sechs Monate zu zwei Drittel. Für Gemeinnützige Unternehmen und den kommunalen Bereich macht der Zuschuss für Personen, die davor mindestens drei Monate arbeitslos waren, 100 Prozent der Lohn- und Gehaltskosten für ein Jahr aus.

Joboffensive 50plus: Mehr als die Hälfte konnte Job behalten

Bisher haben 1.240 ältere Arbeitsuchende über die Joboffensive 50plus eine neue Arbeitsstelle erhalten. Mit 65 Prozent waren die Damen in der Mehrheit, im Schnitt liegt die Weiterbeschäftigungsquote bei 71 Prozent. Derzeit sind 860 Personen über die Joboffensive 50+ und darüber hinaus beschäftigt, heißt es beim waff. "Die höchste Vermittlungsquote verzeichnen wir bei der Privatwirtschaft. Die wurden über 80 Prozent der 50plus-Mitarbeiter nach Ablauf der Förderung übernommen", erklärt waff-Geschäftsführer Fritz Meißl. Im kommunalen Bereich konnten 60 bis 70 Prozent der Wiener ihren Job behalten, bei den Gemeinnützigen Unternehmen waren es knapp über 50 Prozent. "Damit sind wir sehr, sehr zufrieden", so Meißl.

Aufgrund des Erfolges wäre Wien auch bereit über die nun 2.000 geförderten Stellen hinaus, einen weiteren Ausbau ins Auge zu fassen. "Wir wären bereit, weitere 1.000 Stellen in der privaten Wirtschaft zu fördern. Allerdings muss hier auch der Bund die nötigen Mittel für das AMS Wien bereitstellen, um wie bisher gemeinsam Wiener Betriebe mit Fachkräftebedarf zu unterstützen", so Hanke.

Ausbau von "Jobs plus Ausbildung" für Betriebe mit Fachkräftebedarf

Während die Wirtschaft durch die Corona teils schwere Einbußen hinnehmen musste, gibt es aber auch Bereiche, die während der Krise weiterwuchsen. Dazu zählen etwa der IT-Bereich, der Handel oder die Pflege. Für diese Branchen hat die Krise aber den Fachkräftemangel verschärft, da sich viele in Zeiten von Kurzarbeit und Lockdowns beruflich neu orientierten. Daher erweitert die Stadt auch die Initiative "Jobs plus Ausbildung", um den Fachkräftebedarf zu decken.

Plätze ab 2022 mehr als verdoppelt

Mit dem Programm "Jobs Plus Ausbildung" wird Arbeitsuchenden eine Ausbildung und eine fixe Jobzusage eines Unternehmens geboten. Neben den Mitteln des AMS Wien zahlt die Stadt pro Monat 400 Euro Ausbildungsbonus dazu. Nun werden die angebotenen Plätze mehr als verdoppelt.

Ein Teilnehmer der Initiative ist Lukas Schreyer (34), der sich zum Pflegeassistenten ausbilden lässt. Im Video erzählt er, wie es läuft:

Video: waff

Ab dem kommenden Jahr 2022 stehen dann 3.000 Ausbildungsplätze (also um 1.700 mehr als bisher) zur Verfügung. Die Stadt investiert sechs Millionen Euro in die Erweiterung. Konkret werden Ausbildungen im Gesundheits- und Pflegebereich, im Bereich der Elementarpädagogik und im Gewerbe für Arbeitsuchende angeboten, die sich höher qualifizieren wollen oder einen beruflichen Neuanfang anstreben. 

"Wir bieten mit 'Jobs Plus Ausbildung' ein attraktives Programm für Unternehmen mit Fachkräftebedarf. Das unterstreichen die jahrelangen Kooperationen unter anderem im Einzelhandel, in der IT, und in der Pflege. Seit 2016 sind über 7.400 arbeitsuchende Wienerinnen und Wiener über dieses Programm in den Arbeitsmarkt zurückgekehrt.", erklärt Meißl. 

Lehrausbildungsverbund Corona Wien wird verlängert

Um Lehrlingen trotz Corona und Lockdowns einen Lehrabschuss zu ermöglichen, wurde der Ausbildungsverbund Corona Wien ins Leben gerufen. Mit dem Lehrausbildungsverbund wird sichergestellt, dass Lehrlinge keine Ausbildungszeit verlieren und so ihren Weg bis zum Lehrabschluss fortsetzen können. Angesichts der andauernden Corona-Pandemie wird dieser bis Ende nächsten Jahres verlängert.

Bislang konnten 206 Lehrlingen aus 40 Betrieben der Wiener Hotellerie und Gastronomie ihre Lehre dank des Ausbildungsverbundes fortsetzen. Die Lehrlinge teilnehmender Unternehmen werden im Rahmen des Verbunds bis zu 48 Wochen pro Lehrjahr ausgebildet. Die Stadt Wien hat dafür 2,8 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Für den Betrieb ist diese Möglichkeit kostenlos.

Unternehmen der Hotellerie und Gastronomie, bei denen die Lehrlingsausbildung angesichts der Corona-Maßnahmen gefährdet ist, können ab sofort in den Ausbildungsverbund einsteigen. Alle Informationen dazu gibt es hier

waff-Beratung auch im Lockdown erreichbar, Hanke hofft auf Öffnungen

Trotz Lockdowns steht der waff den Wienern und den Wiener Unternehmen weiterhin zur Verfügung, wurde betont. Hanke ruft Jobsuchende, Menschen, die sich beruflich neu orientieren möchten und Unternehmen, die nach Fachkräften suchen, auf "die Stehzeiten sinnvoll zu nutzen". 

Dennoch hofft der Wirtschaftsstadtrat auf ein baldiges Ende des Lockdowns für Geimpfte. "Die rücklaufenden Inzidenzen sind gut, ich würde mich sehr freuen, wenn der Handel ab 12. Dezember mit allen Sicherheitsmaßnahmen wieder öffnen kann", so Hanke.

Bei der Gastro und Hotellerie spricht sich Hanke für eine 2G-Regel (genesen oder geimpft aus), 2Gplus (also zusätzlich PCR-getestet) wäre für viele Betriebe aber eine zu hohe Hürde. Wie es in Wien weitergeht, liegt aber in der Kompetenz von Stadtchef Michael Ludwig. Dieser berät sich morgen, Dienstag, erneut mit Experten, erst dann will er eine Entscheidung treffen.

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