Vor genau 500 Jahren veröffentlichte der Theologieprofessor Martin Luther seine 95 Thesen in Wittenberg, indem er sie an das Eingangsportal der Wittenberger Schlosskirche anschlug. Für viele Gläubige ist es da ein Frevel, was nun in der Stadt passiert. Die Evangelische Kirche hat zum Reformationsjubiläum einen Segnungsroboter aufgebaut. Er hebt die Hände über die Gläubigen und strahlt Licht aus seinen Roboterarmen.
Sieben Sprachen kann die Maschine "sprechen", wahlweise als Frauen- oder Männerstimme. Dann wählt man aus 31 Segen jenen aus, den man vom Roboter erhalten will – und bekommt ihn anschließend ausgedruckt mit nach Hause. "BlessU-2" heißt der Blechmann, der vor allem bei jenen Personen Anklang findet, die mit der Kirche sonst wenig zu tun haben. Gläubige sind dagegen nicht ganz so begeistert.
Die Kirche selbst stellt klar: den Pfarrer ersetzen soll der Roboter nicht, vielmehr soll der Versuch zum Denken anregen. Man wolle neue Wege finden, Menschen über die Kirchengemeinde hinaus zu erreichen. Zudem sorgt die Diskussion um den Segnungsroboter dafür, dass sich die Menschen zwangsläufig auch mit der Kirche auseinandersetzen. (rfi)