"Hunderte vor Kliniken"

Steirische Ärztin berichtet aus dem Katastrophen-Gebiet

Nach der verheerenden Sturzflut in Nepal läuft die Suche nach Vermissten weiter. Eine steirische Ärztin schildert die dramatische Lage vor Ort.
Newsdesk Heute
29.08.2026, 06:56
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Nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya kämpfen die Einsatzkräfte weiter gegen Schlamm, Geröll und zerstörte Infrastruktur. In Nepal stieg die Zahl der bestätigten Todesopfer bis Freitagfrüh auf 469. Hunderte Menschen werden weiterhin vermisst.

Mitten in der Katastrophe befindet sich auch die steirische Ärztin Gerda Pohl. Sie arbeitet seit 13 Jahren ehrenamtlich in Nepal und schilderte Freitagfrüh im Ö1-Morgenjournal, wie angespannt die Situation derzeit ist.

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"Vor den Krankenhäusern warten Hunderte Menschen auf Informationen zum Zustand ihrer Angehörigen", berichtet Pohl. Während Familien auf Nachrichten hoffen, läuft die Suche nach Vermissten weiter auf Hochtouren.

Weitere Sturzflut droht

Gleichzeitig droht bereits die nächste Gefahr. Flüsse wurden durch Geröll und Schutt blockiert, die Behörden warnen vor weiteren Sturzfluten. Damit sind auch die Tausenden Helfer einem enormen Risiko ausgesetzt. Mehr als 13.000 Einsatzkräfte von Armee und Polizei wurden bereits in die Katastrophenregion geschickt.

Die erste Flut traf die Menschen praktisch ohne Vorwarnung. Dabei verfügt Nepal grundsätzlich über entsprechende Warnsysteme. Das Problem war laut Pohl allerdings der Ausgangspunkt der Katastrophe: Der folgenschwere Gletschersturz ereignete sich auf tibetischer Seite der Grenze.

Die gewaltigen Massen aus Wasser, Eis, Felsen und Schlamm rasten anschließend Richtung Nepal. Noch bevor Alarm ausgelöst werden konnte, wurde das Warnsystem selbst von den Fluten weggerissen. Die Bewohner der ersten beiden Dörfer auf nepalesischer Seite erhielten dadurch laut Pohl überhaupt keine Warnung.

Retter waren nach zwei Stunden da

Trotz des enormen Ausmaßes der Katastrophe sieht die Ärztin auch einen entscheidenden Unterschied zu früheren Unglücken. Pohl war bereits 2015 in Nepal, als ein schweres Erdbeben rund 9.000 Menschen das Leben kostete.

"Damals war Nepal noch nicht so gut vorbereitet, es hat eine Zeit lang gedauert, bis die Hilfskräfte angelaufen sind", erinnert sie sich. Seitdem habe sich viel verändert. Diesmal seien bereits innerhalb von zwei Stunden große Rettungsmannschaften vor Ort gewesen.

Doch selbst die beste Vorbereitung stößt derzeit an Grenzen. Zahlreiche Straßen und Brücken wurden zerstört, ganze Gebiete sind nur schwer erreichbar. Schweres Gerät arbeitet sich durch Schlamm und Geröll, während Hubschrauber bei der Suche und Versorgung helfen.

"Es sind alle Brücken weg"

Internationale Rettungsmannschaften können deshalb bisher kaum direkt in das betroffene Gebiet vordringen. Der Grund ist laut Pohl denkbar einfach: "Es sind alle Brücken weg."

Mehr als 35 Brücken und rund 40 Kilometer Straße sollen durch die Katastrophe zerstört oder beschädigt worden sein. Auch Kraftwerke und Stromleitungen wurden getroffen. Tausende Haushalte benötigen dringend Hilfe.

Für Nepal endet die Katastrophe deshalb nicht mit der Suche nach den Vermissten. Der Wiederaufbau der zerstörten Verkehrswege und Ortschaften werde viele Monate dauern, sagt Pohl.

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