Nach der Strom- und Gaszählerablesung flatterte bei vielen Österreichern vergangene Woche die böse Überraschung in den Briefkasten. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem man wegen Ausgangsbeschränkungen, geschlossener Gastro und/oder Home Office mehr als sonst zu Hause war, stiegen die Preise für Strom und Gas enorm an. In Wien waren es für letzteres gute 30 Prozent.
Die Folgen: Vor allem größere Haushalte zahlen dadurch hunderte, wenn nicht sogar tausende Euro mehr im Jahr für Energie. Um allen Nicht-Top-Verdienern zu helfen, kündigte die Regierung deswegen ein Maßnahmenpaket an. Einige dieser Unterstützungen wären bei derart hohen Preisen allerdings auch automatisch in Kraft getreten.
So wird für 2022 unter anderem der Ökostrom-Beitrag auf null gesetzt, wodurch einem durchschnittlichen Haushalt rund 100 Euro mehr übrig bleiben. Wer Arbeitslosengeld, Mindestsicherung oder Studienbeihilfe bezieht, bekommt ein einmaliges Goodie von 150 Euro.
Für Strom, Gas – Wer jetzt hunderte Euro Hilfe bekommt >>
Und: Jeder Haushalt mit einem Einkommen bis zur ein- bzw. zweifachen ASVG-Höchstbeitragsgrundlage erhält einmalig einen Energiekostenausgleich in Höhe von 150 Euro.
Trotzdem könnte es weitere Maßnahmen brauchen. Wie Johannes Mayer, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft der E-Control, zur "APA" sagt, könnte der nächste Winter teurer werden. Grund: Die Auswirkungen der jetzigen Situation würden wahrscheinlich bis in den Frühling 2023 andauern, erst dann könne man mit einer Entspannung rechnen.
Betrug der Marktpreis für Strom im Sommer 2020 noch 32 Euro/MWh, ist er mittlerweile auf 258 gestiegen. Anfang 2023 dürfte er mit 225 noch ähnlich hoch sein, erst im zweiten Quartal soll er laut Mayer auf 117 Euro sinken. Immerhin eine Halbierung zum aktuellen Niveau, aber immer noch drei Mal so hoch wie sonst. Erst dann könne man auch mit einer Halbierung der Großhandelspreise auf Gas rechnen.
Wer jetzt daran denkt, einfach den Anbieter zu wechseln, sollte davon lieber Abstand nehmen. Die Angebote für neue Verträge seien derzeit deutlich teurer. Viele Anbieter sind wegen der Engpässe erst recht nicht mehr für Neukunden offen.