Lange Stangen mit Elektroden an der Spitze lehnen an der Wand eines heruntergekommenen Schuppens neben einem rostigen Zwinger. Am Boden liegt ein Hundeschädel. Das verlassene Hunde-Schlachthaus in Südkorea zeigt, wie diese Industrie bald Geschichte sein dürfte. Im Februar nächsten Jahres wird dort ein Hundefleisch-Verbot wirksam.
Hundefleisch galt in Südkorea lange als Spezialität, der man eine stärkende Wirkung nachsagte. Besonders ältere Menschen und Leute vom Land griffen gerne zu. Doch immer mehr Südkoreaner entdecken Hunde als Haustiere für sich. Die Einstellung zu den Vierbeinern hat sich geändert, der Konsum von Hundefleisch ist stetig zurückgegangen.
Im Jänner 2024 hat das Parlament in Seoul ein Gesetz beschlossen, das die Zucht von Hunden zum Essen, das Schlachten und den Verkauf als Nahrungsmittel verbietet. Mit Inkrafttreten im Februar drohen für Verstöße bis zu drei Jahre Haft.
Seither steckt die Hundefleisch-Industrie im freien Fall. Laut offiziellen Zahlen wurden in Südkorea 2024 noch zwischen 400.000 und 450.000 Hunde wegen ihres Fleisches gezüchtet. Jetzt leben laut Landwirtschaftsministerium noch rund 20.000 Tiere auf speziellen Hundefleisch-Farmen.
Um den Farmern die Umstellung zu erleichtern, zahlt die Regierung bis zu 600.000 Won (etwa 340 Euro) pro Hund, den sie nicht mehr halten. Was danach mit den Tieren passiert, wird allerdings nicht kontrolliert.
"Unser Job ist es zu überprüfen, dass auf Farmen oder in Schlachthäusern keine Hunde mehr sind, bevor wir die Entschädigung zahlen", sagte ein Inspekteur des Ministeriums, der anonym bleiben will, zur Nachrichtenagentur AFP. "Wo die Hunde gelandet sind, geht uns nichts an."
Laut Daten eines Parlamentsabgeordneten wurden bis Februar dieses Jahres nur 623 Hunde von Hundefleisch-Farmen adoptiert und knapp 500 in Tierheime gebracht. Tierschutzorganisationen glauben, dass der Großteil der anderen Tiere vermutlich getötet wurde.
"Gruppen wie wir hätten davon erfahren, wenn große Mengen geretteter Hunde zur Vermittlung als Haustier angeboten worden wären", sagt Kim Young Hwan von der Organisation Care. "Wir haben keine einzige Vermittlungskampagne für von Hunde-Farmen gerettete Hunde registriert."
Care hat in gut 20 Jahren nach eigenen Angaben rund 2.500 Hunde von Hundefleisch-Farmen gerettet und in neue Zuhause gebracht, die meisten davon ins Ausland. Nur etwa zwei Dutzend konnten im eigenen Land vermittelt werden. Das liegt auch daran, dass die meisten Südkoreaner kleine Hunderassen bevorzugen, die sich leichter in Wohnungen halten lassen. Für Fleisch wurden meist größere Rassen wie der Nureongi, auch bekannt als Koreanischer Gelbspitz, gezüchtet.
"In Südkorea hat man lange unterschieden zwischen Hunden als Haustier und Hunden zum Essen", sagt der frühere Hundefleisch-Farmer Ju Yeong Bong. Auch er glaubt, dass die meisten der verschwundenen Tiere von den aufgegebenen Hundefarmen "schon längst gegessen" wurden.
Bis Mai dieses Jahres haben laut Regierung bereits 1.265 Hundefarmen ihre Schließung angemeldet – das sind etwa 82 Prozent aller Betriebe. Ju hat seine Hundefarm 1994 eröffnet, weil er als Pfarrer nicht genug verdient hat. Heute fühlt er sich vom Hundefleischverbot im Stich gelassen: "Es wurde allein aus politischen Gründen verhängt, ohne richtigen Dialog oder angemessene Maßnahmen, um unsere Existenzgrundlage zu sichern", schimpft er.
Die Leiterin der Tierschutzorganisation PNR, Park Joo Yeon, betont hingegen, dass mit dem Verbot endlich eine Lücke geschlossen wird, die es seit Jahrzehnten gab. Hunde wurden in Südkorea nie offiziell als Nutztiere eingestuft – anders als Rinder oder Schweine. Die Farmer und Schlachter arbeiteten jahrzehntelang in einer Grauzone. Tierschützern zufolge wurden die Hunde meist mit Elektroschocks getötet, erhängt oder erschlagen.