Ein groß angelegter Polizeieinsatz erschüttert den europäischen Pferdehandel. Rund 200 Ermittler gingen in Irland, Frankreich, den Niederlanden und Belgien gegen mutmaßlich illegale Geschäfte mit ausgedienten Rennpferden vor.
Im Zentrum der Ermittlungen steht ein schwerwiegender Verdacht: Tausende Pferde, die nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt waren, sollen mit gefälschten Papieren und manipulierten Mikrochips zu Schlachtpferden gemacht worden sein.
Viele der Tiere sollen zuvor im Rennsport eingesetzt worden sein. Dabei wurden sie laut den Ermittlern häufig mit Medikamenten behandelt, weshalb ihr Fleisch nicht für den menschlichen Verzehr freigegeben war.
Mit den gefälschten Unterlagen konnten die Tiere offenbar dennoch in die Lebensmittelkette gelangen. Ein zuvor praktisch wertloses Pferd soll dadurch plötzlich einen Handelswert von 1.000 bis 1.500 Euro gehabt haben.
Besonders brisant sind Angaben einer niederländischen Tierschutzorganisation. Demnach sollen vor allem ausgediente Rennpferde aus Großbritannien und Irland unter schlechten Bedingungen in andere europäische Länder gebracht worden sein.
In den Niederlanden soll das Fleisch schließlich zu Snacks wie Fleischbällchen und Kroketten verarbeitet und über den Großhandel vertrieben worden sein. Ob und in welchem Umfang die Produkte tatsächlich bei Konsumenten landeten, ist Gegenstand der Ermittlungen.
Bei den Razzien überprüften die Behörden mehr als 1.000 Pferde. Ein Großteil der Tiere wurde beschlagnahmt. In Belgien stellten die Ermittler zudem mehr als 100.000 Euro Bargeld sicher. Drei Verdächtige wurden festgenommen.
Der Fall erinnert an frühere Ermittlungen in Europa. Bereits 2023 wurden in Frankreich 15 Personen wegen illegal in Umlauf gebrachten Pferdefleisches verurteilt. Auch damals spielten gefälschte Pferdepässe, Stempel und manipulierte Dokumente eine zentrale Rolle.