Früher war Telefonieren für viele ein Vergnügen, ein Stück Alltag. Doch heute löst bei immer mehr Menschen allein das Klingeln des Handys Stress und Unbehagen aus. Das Phänomen hat einen Namen: Telefonphobie.
Die Telefonangst tritt im Rahmen sozialer Angststörungen auf, ist aber keine eigene Diagnose. Das Klingeln löst bei Betroffenen extremen Stress aus. Der Körper reagiert mit Schweißausbrüchen, es folgen Vermeidungsstrategien. Die Abstufungen reichen von leichtem Unbehagen bis hin zu regelrechter Panik beim Gedanken, selbst einen Anruf tätigen zu müssen.
Wie Brigitte.de berichtet, liegt eine große Hürde im Druck, beim Gespräch unmittelbar reagieren zu müssen - ohne vorher zu wissen, wer am anderen Ende ist. In einer Zeit, in der man WhatsApp-Chats einfach stundenlang verlassen kann, wirkt ein Telefonat plötzlich wie eine Zumutung.
Die Telefonphobie betrifft vor allem jüngere Generationen. Der Grund: Millennials und Gen Z sind mit genügend Alternativen aufgewachsen. Arzttermine lassen sich online vereinbaren, der Kundenservice funktioniert als Chatbot, und den Restauranttisch reserviert man per Mausklick. Selbst mit Freunden oder Familie wählt man eher den Video-Call als das klassische Telefonat.
Doch es gibt Situationen, in denen Telefonieren unabdingbar ist - etwa in Notfällen. Was hilft? Ein Realitätscheck: Sich bewusst machen, dass niemand einem etwas Böses will. Sich Zeit nehmen und warten, bis man sich bereit fühlt. Und wenn das Klingeln bis dahin aufgehört hat, ruft man eben zurück - wenn man so weit ist.