Auf dem Tennisplatz war Björn Borg der "Ice Man". Cool, unnahbar und scheinbar unverwundbar. 109 Wochen war der Schwede die Nummer 1 der Welt. Doch hinter der Fassade des fünffachen Wimbledon-Siegers tobte über Jahrzehnte ein Kampf, von dem die Öffentlichkeit kaum etwas wusste.
Pünktlich zu seinem 70. Geburtstag legt die Tennis-Legende in ihrer Autobiografie "Herzschlag - Die Geschichte meines Lebens" eine schonungslose Lebensbeichte ab. Dabei wird klar: Nicht seine elf Grand-Slam-Titel waren die größten Herausforderungen seines Lebens.
Der Absturz begann nach dem frühen Karriereende. Mit nur 25 Jahren hatte Borg genug vom Druck des Profi-Zirkus. Burnout, ständige Aufmerksamkeit und der Verlust jeglicher Privatsphäre hatten den Superstar zermürbt. Was folgte, waren dunkle Jahre voller Exzesse.
In dem Buch spricht Borg offen über seinen Kokain-Konsum. Die Folgen waren dramatisch. Mitte der 1990er-Jahre erlitt er nach Alkohol, Drogen und Tabletten einen Zusammenbruch. Sein Herz blieb stehen, Ärzte mussten ihn wiederbeleben.
"Ich bin zweimal fast gestorben", erinnerte sich Borg. Erst als er dem Tod ins Auge blickte, begann ein Umdenken. Heute lebt der Schwede nach eigenen Angaben seit vielen Jahren ohne Drogen.
Doch die Probleme hörten damit nicht auf. Zwei Scheidungen innerhalb weniger Jahre, weitere gescheiterte Beziehungen und finanzielle Fehlentscheidungen brachten den einstigen Tennis-Millionär an seine Grenzen. Obwohl Borg ein Vermögen von rund 80 Millionen Dollar aufgebaut hatte, musste er 1996 Insolvenz anmelden.
Dabei galt der Schwede einst als erster globaler Superstar des Tennis. Zwischen 1974 und 1981 gewann er elf Grand-Slam-Titel, stand 109 Wochen an der Spitze der Weltrangliste und lieferte sich legendäre Duelle mit John McEnroe. Millionen Fans verehrten den Mann mit dem Stirnband und der blonden Mähne.
Doch auch Jahrzehnte nach dem Karriereende wartet noch eine neue Herausforderung auf ihn. Vor rund drei Jahren erhielt Borg die Diagnose einer aggressiven Form von Prostatakrebs. Ohne Operation hätte die Krankheit tödlich enden können.
Ein Satz aus seiner Autobiografie bringt die Situation auf den Punkt: "Krebs kann man nicht wegtrainieren." Für einen Mann, der sein Leben lang auf Disziplin, Härte und Kampfgeist setzte, war das eine schmerzhafte Erkenntnis.
Aufgeben kommt für Borg trotzdem nicht infrage. Der Mann, der fünf Wimbledon-Titel in Serie gewann, kämpft auch mit 70 Jahren weiter – diesmal nicht um Pokale, sondern um seine Gesundheit.
Das Buch ist ein Muss für alle Tennis-Fans.