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Tennis-Star: "Nervöses Wrack, wollte mich übergeben"

Tennis-Star Stan Wawrinka schreibt über seine große Karriere. Der Schweizer erzählt von seinen Höhen und Tiefen.
20 Minuten
27.06.2022, 07:08

Drei Grand-Slam-Titel hat Stan Wawrinka in seiner Karriere gewonnen. Nach einer Knieverletzung mit einer langen Pause befindet sich der Schweizer Tennisstar derzeit wieder auf Kurs in Richtung Weltspitze. Für Wimbledon erhielt der 37-Jährige eine Wildcard. Nun hat Stan Wawrinka in der "Players Tribune" über seine gesamte Karriere und Zukunft geschrieben. Der Titel des Beitrags: "Das letzte Kapitel".

Stan the Man startet den Text mit den folgenden Worten: "Ich muss ehrlich sein. Vor einem Jahr dachte ich an einen Rücktritt." Er wusste, er wäre nach einer Knie-Operation und der langwierigen Reha nicht mehr der gleiche Spieler. Wawrinka stellte sich die Frage, ob es an der Zeit war, aufzuhören. Die Antwort für sich selber: "Nein. Ich liebte Tennis immer noch. Ich liebte es immer noch zu trainieren. Aber das Wichtigste war, dass ich meine Karriere nicht mit einer Verletzung beenden wollte."

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Seit März ist er nun wieder im ATP-Zirkus. Eine herausragende Leistung, wenn man bedenkt, dass er im Dezember noch kaum laufen konnte. Auch einzelne Spiele konnte er siegreich gestalten – gegen Akteure aus den Top 50. Wawrinka setzte sich Ziele. "Ich will in der Rangliste aufsteigen. Und ich möchte wieder ein Turnier gewinnen. Ich spreche nicht von einem Grand Slam; es könnte ATP 1000, 500, 250 sein – irgendein Level. Das spielt keine Rolle", erklärt der Tennisstar.

In seinem großen Beitrag geht es auch um seine Karriere von Beginn an und die drei Grand-Slam-Titel. Wawrinka schreibt: "Als ich mit acht Jahren zu spielen begann, habe ich nie davon geträumt, Grand Slams zu gewinnen. Ich war nur ein Junge von einem Bauernhof in der Schweiz." Wawrinka wollte einfach nur Profi werden.

Die Olympischen Spiele 2008 waren für ihn etwas Außergewöhnliches. Die zwei Wochen mit anderen Athleten im Dorf, um Spaß zu haben. Dazu das Doppel mit Roger Federer. Wawrinka: "Ich stand unter Druck, gut zu spielen, weil er im Einzel verloren hatte. In den ersten beiden Spielen hatte ich Mühe, aber wir haben trotzdem gewonnen, weil Roger eben Roger ist." Das Duo krönte die hervorragenden Auftritte mit der Goldmedaille.

Den erhofften Boost im Einzel gab es aber lange nicht. Fünf Jahre später hatte Stan the Man noch immer kein Grand-Slam-Halbfinale gespielt. 2013 begann die Zusammenarbeit mit Magnus Norman – ein großer Erfolg. Wawrinka kehrte in die Top 10 der Weltrangliste ein, schaffte es beim US Open in das Halbfinale, wo er Novak Djokovic alles abforderte.

2014 war es dann so weit. Wawrinka stand in einem Grand-Slam-Finale. Bei den Australian Open ging es gegen Rafael Nadal. Wawrinka: "Im Vorfeld dieses Matches war ich kein einziges Mal nervös. Ich meine, ein Grand-Slam-Finale gegen Rafael Nadal, die Nr. eins der Welt? Das war so verrückt für mich, dass ich mir nicht einmal die Mühe gemacht hatte, davon zu träumen", schreibt der 37-Jährige. Seine Einstellung: Im schlimmsten Fall wäre es einfach eine Niederlage. Doch es wurde keine Niederlage! In vier Sätzen setzte er sich gegen Nadal durch.

Ein Jahr später baute er sein Denkmal weiter aus. 2015 bei den French Open eliminierte er Roger Federer, Jo-Wilfried Tsonga und im Finale dann Novak Djokovic. "Ich spielte mein bestes Tennis aller Zeiten." Doch das war es nicht. 2016 musste Stan the Man erneut gegen Djokovic ran. Dieses Mal bei den US Open. Wawrinka hatte mit viel Nervosität zu kämpfen. Offen schreibt der Westschweizer: "Ich war ein nervöses Wrack, weinte vor dem Spiel. Ich wurde langsam ja alt, wollte mir diese Chance aber nicht entgehen lassen. Ich war kurz davor, mich zu übergeben."

Der Start ging komplett in die Hose. Wawrinka versuchte, sich körperlich müde zu machen, nicht mehr nachzudenken. "Wenn man erschöpft ist, hat das Hirn keine Zeit, über diesen ganzen Quatsch nachzudenken. Also habe ich versucht, längere Ballwechsel zu spielen, und die Stimme in meinem Kopf hat endlich aufgehört." Wawrinka weiter: "So habe ich im Grunde die US Open gewonnen."

Auch solche Momente sorgten dafür, dass Wawrinka seine Karriere noch nicht beendet hat. Ihm ist bewusst, dass nur noch zwei oder drei Jahre bleiben – maximal. Doch Wawrinka will diese genießen und Titel gewinnen. Doch wie? Seine Antwort: "Ich werde mich bis zum Limit pushen." An sein Limit kam er erst gerade im Spiel gegen Francis Tiafoe. Nach einem umkämpften Sieg spürte er jedes seiner 37 Altersjahre. Wawrinka: "Mein Körper war komplett am Ende, doch alles, was ich wollte, war ein weiteres Match spielen." Ein weiteres Zeichen, dass Stan the Man mit seinem erneuten Comeback die richtige Wahl getroffen hat.