Es markierte das unrühmliche Ende der Weltkarriere von Dominic Thiem. Im Juni 2021 – nur acht Monate nach seinem US-Open-Triumph – verletzte er sich in Mallorca bei einem Rasenmatch gegen Adrian Mannarino schwer am Handgelenk. "Knacken ist grundsätzlich nie ein gutes Zeichen", sagte damals Physio Alex Stober. Was folgte, wurde einer ehemaligen Nummer drei der Welt nicht gerecht.
Erst 280 Tage später kehrte Thiem zurück. Im März 2022 gab er beim Sandplatz-Challenger in Marbella sein Comeback, verlor jedoch in der ersten Runde gegen den Argentinier Pedro Cachin mit 3:6 und 4:6. Die Monate davor waren von zahlreichen Rückschlägen geprägt. Bruder und Manager Moritz Thiem schilderte im "Mindgames-Podcast" den enormen Aufwand: "Wenn du dabei gewesen wärst, wo wir überall in der Weltgeschichte herumgeflogen sind, um die Verletzung zu behandeln. Wir haben teilweise vier Wochen in einem Hotelzimmer verbracht, nur um in der Nähe eines Arztes zu sein."
Auch nach Marbella konnte Thiem, der auf eine Operation des Handgelenks verzichtet hatte, nie mehr an seine frühere Form anknüpfen. Nach zahlreichen Comeback-Versuchen beendete er im November 2024 schließlich seine Karriere. Für zusätzlichen Frust sorgte die mediale Begleitung dieser Phase. Vor allem die kritische Berichterstattung über Dominic Thiem ärgerte seinen Bruder und Manager Moritz: "Gerade als es Dominic nicht gut gegangen ist, haben die Medien Artikel geschrieben, die unter die Gürtellinie gegangen sind. Da konnte ich dann auch laut werden, was wiederum bei den Journalisten nicht gut angekommen ist."
Thiem schoss weiter: "Dann ist das natürlich schon Wahnsinn, wenn ein Journalist, der in seinem Leben noch nichts erreicht hat, dir erklären will, was du kannst und was nicht. Da denkt man sich: Wenn ich dich auf den Platz stelle, triffst du nicht einmal den Ball." Um welche Artikel oder Kritik es sich dabei genau handelte, ließ Thiem allerdings offen.
Für Dominic Thiem selbst hatte der Unfall auch große Auswirkungen. Auch eineinhalb Jahre nach dem Karriereende sind die Folgen der Verletzung nämlich weiterhin spürbar: "Wenn du Dominic ein Marmeladenglas in die Hand gibst, kann er es mit der linken leichter öffnen als mit der rechten Schlaghand. Die Kraft ist nach der Verletzung nie wieder zurückgekommen."
Auch Zahlen belegen die bleibenden Folgen der Verletzung: "Wir haben für die Versicherung ein Gutachten erstellen lassen, das gezeigt hat, dass ihm zwölf Prozent der Kraft im Handgelenk fehlen. In einem Sport, in dem es um Millimeter geht, sind das natürlich Welten."