Thiem: "Hatte Gefühl, dass es das Handgelenk zerreißt"

Dominic Thiem verspürt Zuversicht nach einem Jahr ohne Sieg: "Die Angst ist jetzt weg."
Dominic Thiem verspürt Zuversicht nach einem Jahr ohne Sieg: "Die Angst ist jetzt weg."Picturedesk
Dominic Thiem ist ein Jahr ohne Sieg. Trotzdem macht die letzte Niederlage gegen Fabio Fognini Hoffnung. "Es beginnt, Spaß zu machen."

Ein ganzes Jahr ohne Sieg, aber ganz langsam Licht am Ende des Tennis-Tunnels!

Die Bilanz im Team Thiem war gespalten nach der fünften Pleite in Serie nach dem Comeback. 4:6, 6:7 verlor Dominic Thiem beim Masters-1000-Turnier in Rom gegen Lokalmatador Fabio Fognini. Damit ist das traurige Jubiläum perfekt: Der Österreicher ist ein ganzes Jahr ohne Sieg bei einem Match auf ATP- und Challenger-Ebene.

"Eine weitere Erstrunden-Niederlage ist natürlich richtig bitter", stellte Thiem klar.

Thiems Formkurve zeigt nach oben

Der auf Platz 162 der Tennis-Weltrangliste abgerutschte Österreicher sah aber auch Positives. So wie die Fans, die auf Sky das Match verfolgten. Die Formkurve zeigt nach oben. Der Auftritt gegen Fognini war besser und stabiler als vor einer Woche in Madrid gegen Andy Murray, als die ehemalige Nummer drei der Welt 24 Vorhand-Fehler in 102 Minuten machte.

Thiem war im "Foro Italico" ebenbürtig. Er nützte seine Chancen nicht, kämpfte sich aber in Satz zwei zurück und verlangte Fognini alles ab. Und der Italiener ist auf Sand eine Größe. Er gewann 226 Spiele bei ATP-Turnieren auf diesem Belag. Von den aktiven Spielern siegte Roger Federer gleich oft auf roter Asche, nur Fernando Verdasco (236), Novak Djokovic (249) und Rafael Nadal (466) noch öfter.  

"Langsam beginnen die Dinge wieder zu funktionieren, die Spaß machen"

"Langsam beginnen die Dinge wieder zu funktionieren, die Spaß machen", sagte Thiem nach seinem besten Match nach der langwierigen Handgelenksverletzung. "Ich bewege mich besser, schlage mit der Vorhand wieder Winner."

Sein Paradeschlag, die Vorhand, ließ den US-Open-Sieger nach 280 Tagen Verletzungspause beim Comeback im Stich. Thiem bestätige bei "ServusTV" die "Heute"-Story der Vorwoche, dass ihm die Klappbewegung bei der Vorhand Probleme bereitet. Dass deshalb seine größte Waffe aktuell zu sehr streut und noch zu viele Fehler produziert.

Die Wahrheit über Thiems Handgelenk-Fluch

Thiems Problem: Die Stellung des Handgelenks ändert sich oft kurz vor dem Schlag um Millimeter – ohne dass er das will. Thiem hat bei Fehlschlägen das Gefühl, alles richtig zu machen. Doch das Handgelenk gibt den Schlag einen Tick zu früh oder zu spät frei. Die Folge: Der Ball verfehlt sein Ziel. 

"Ich hab einen Schlenker in der Vorhand"

"Ich hab einen Schlenker in der Vorhand. Dieser Schnalzer im Handgelenk, wenn ich zurückgehe und schnell wieder vor, der ist nicht so wie er sein sollte. Das wird noch eine Zeit dauern", sagt Thiem. "Es sind ein paar Schläge, die richtig gut passen, Punkte, die ich richtig gut spiele. Der nächste ist wieder drei Meter im Out oder verhungert im Netz. Wenn man im Kopf hat, wie man schon mal gespielt hat, ist das schwer zu akzeptieren."

"Wenn ich das mit der besten Version vergleiche, liegen Welten dazwischen. Es sind viele Dinge dabei, wo ich mir am liebsten auf den Kopf greifen würde. Aber ich muss das akzeptieren."

Das Comeback hat er sich als ganzes "einfacher vorgestellt". "Vor allem ab dem Zeitpunkt als ich den Schläger wieder in die Hand genommen habe. Da waren extrem viele Rückschläge dabei, bis das wieder gepasst hat. Mit den frühen Niederlagen in den Matches habe ich gerechnet."

"Vor drei, vier Monaten hatte ich noch das Gefühl, dass es das Handgelenk zerreißt"

Auf den Kopf greift sich Thiem nur ganz selten. In Madrid gegen Murray wurde es ihm einmal zu viel. "Was soll ich machen? Es ist so traurig", schrie er da in den Abendhimmel. Eine Vorhand hatte ihr Ziel zuvor weit verfehlt. Er geht gelassen mit der schwierigen Situation um. Den Ist-Zustand hat er akzeptiert, er arbeitet an der Verbesserung.

Gegen Fognini war Thiem auf der Vorhand stabiler als zuletzt gegen Murray. Der Italiener spielte die Schwachstelle des Niederösterreichers aber auch seltener an. In Satz eins beim Return nicht ein einziges Mal.

Und in den entscheidenden Momenten spielte Thiems Vorhand dann noch nicht mit. "Im Tiebreak, wenn es enger wird, wenn ich ein bisserl die Lockerheit verliere, dann beginnt die Vorhand noch zu sehr zu streuen", sagt er. 

"Die Angst ist jetzt weg"

Seine Entwicklung sieht er aber positiv, abgesehen von der Corona-Erkrankung, die ihm direkt nach dem ersten Challenger-Auftritt in Marbella zehn Trainingstage kostete. "Seitdem läufts aber richtig gut. Vor drei, vier Monaten hatte ich noch das Gefühl, dass es das Handgelenk zerreißt, wenn ich voll durchziehe. Das Gefühl ist jetzt weg. Das ist wichtig. Die Angst ist jetzt weg."

"Im Endeffekt ist es aber zu wenig, um gegen die Weltbesten zu bestehen. Das versuche ich, mir ins Bewusstsein zu rücken." 

Und zu ändern. Thiem spielt nächste Woche in Genf, dann steigt das Sand-Highlight in Paris. "Es bleibt mir nichts anderes übrig als positiv in die Sache zu gehen." 

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