Thiem vor Tennis-Comeback: Wie gut ist er wirklich?

 Thiem: "Nun ist es Zeit, zurück zu sein."
Thiem: "Nun ist es Zeit, zurück zu sein."Imago
Dominic Thiem kehrt beim ATP-Turnier in Madrid auf die Tennis-Bühne zurück. Wie gut ist er? Er selbst weiß es nicht.  

Fast 50 Tage Auszeit hat sich Dominic Thiem selbst verordnet. Er hatte Motivationsprobleme und genug vom Alltag in der "Tennis-Bubble". Die Nummer vier der Welt griff den Schläger drei Wochen lang nicht an, legte mit Freundin Lilli einen Osterurlaub auf Mallorca ein. 

Diese Woche kehrt Thiem beim ATP-1000-Turnier in Madrid zurück. Zum Auftakt trifft er am Dienstag (nicht vor 19 Uhr, live auf Sky) auf Qualifikant Marcos Giron (USA), der Pablo Andujar (Sp) mit 6:7, 7:6, 7:5 niederrang. Die Frage aller Fragen: Wie gut ist Thiem? 

Thiem tappt im Dunkeln, spricht von Vorfreude

Thiem weiß es selbst nicht. Nach den Trainings mit Diego Schwartzman und Andrey Rublev in Madrid meint er: "Das kann ich nicht sagen. Zu lang war meine Pause, ich war teilweise völlig weg vom Tennis, Match-Situationen sind komplett anders. Fest steht, dass ich in den letzten Tagen extrem gut trainiert hab, körperlich habe ich viel aufgeholt, mein Tennis passt. Doch Trainingseinheiten und ernsthafte Spiele auf diesem Niveau kann man nicht vergleichen. Die Vorfreude ist groß, ich fühle mich bereit."

Thiems Probleme am linken Knie seien ausgeheilt. "Die Pause tat gut. Ich habe sie gebraucht. Nun ist es Zeit, zurück zu sein." Nachsatz: "Die Erwartungen sind sehr niedrig. Ich bin nicht der Typ, für den es gleich wieder läuft."

Bresnik: "Thiem ist das größte Fragezeichen"

Ex-Thiem-Mentor Günter Bresnik sagte zuletzt im "Heute"-Gespräch: "Dominic ist das größte Fragezeichen. Ich weiß, dass er körperlich topfit ist. Der Rest ist eine Unbekannte. Die letzten fünf Jahre war er auf Sand die Nummer 2 mit Djokovic hinter Nadal. Wenn er in Madrid oder Rom ein Viertelfinale oder ein Semifinale spielt, dann passt der Weg. Dann kann er auch in Paris ganz vorne dabei sein. Für mich ist Dominic auch heuer der Einzige, der Nadal und Djokovic in Paris echt gefährden kann."

In der aktuellen Jahreswertung der ATP liegt Thiem nur auf Platz 53. Er feierte bisher fünf Siege bei vier Niederlagen. Zum Vergleich: Stefanos Tsitsipas (GRE) steht so wie Rublev bei bereits 26 Siegen. 

Thiems Erinnerungen an Madrid sind freilich gut: 2014 schlug er hier mit Stan Wawrinka (SUI) den ersten Top-10-Spieler in seiner Karriere. 2017 und 2018 verlor er erst im Finale. 2019 scheiterte er im Halbfinale an Novak Djokovic (SER), der heuer als einziger Top-Spieler neben Roger Federer (SUI) fehlt. "Die Bedingungen passen bestens für mein Spiel", sagt Thiem. "Ich bin wahrscheinlich besser in Schuss als vor zwölf Monaten", fügt er hinzu.

Auch das heißt nicht viel. Vor einem Jahr war die ATP-Tour zu Beginn der Corona-Krise in einer monatelangen Pause gewesen, bestritt Thiem Vergleichskämpfe mit heimischen Spielern in der Südstadt.

Wieder Bubble in Madrid

Fix ist: In Madrid musste Thiem wieder in eine "Tennis-Bubble", die ihm zuletzt beim Turnier in Dubai stark zusetzte. "In Spaniens Hauptstadt pulsiert wieder das Leben, die Cafés und Restaurants haben offen, in den Einkaufsstraßen herrscht reges Treiben", schreibt er auf seiner Homepage. "Doch das bekomme ich alles nur im Shuttle auf dem Weg auf die Anlage mit, wir selbst leben nach wie vor in einer künstlichen ,Tennis-Blase', werden mehrmals getestet, dürfen uns nur zwischen dem Hotel und den Plätzen bewegen. An unserer Situation hat sich wenig geändert, wenigstens geht es nach dem letzten Pandemie-Höhepunkt hier in Madrid anscheinend wieder aufwärts."

Thiem: "Deshalb ist Nadal ein Vorbild"

Thiem ist überzeugt, dass Nadal wieder der zu schlagende Spieler auf Sand sein wird. Den Spanier hat er in Madrid im Viertelfinale 2018 schon einmal besiegt. "Ich denke, dass er sein Spiel konstant verbessert", meint Thiem. "Das braucht es auch, um erfolgreich zu sein. Und deshalb ist er auch ein solches Vorbild."

Bresnik hatte zuletzt in "Heute"von seiner Erfahrungen beim Masters-Turnier Mitte April in Monte Carlo berichtet. "Wissen sie, in Monte Carlo haben so ziemlich alle gejammert. Jedem war fad", meinte er. "Nur einer hat geübt: Nadal. Vormittag zwei Stunden, Nachmittag zwei Stunden – das Doppelte vom Rest. Nadal wird nie fad. Er arbeitet für den Erfolg. Das ist einfach beeindruckend."

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