Tiere hören vor dem Schlachten Musik

Auch Tiere mögen Musik, glaubt die Fleischindustrie.
Auch Tiere mögen Musik, glaubt die Fleischindustrie.20min/Simon Glauser
Bevor sie getötet werden, bekommen manche Schlachttiere noch ein bisschen Radio oder Klassik zu hören. Dadurch sollen sie sich wohler fühlen.

Spiel mir das Lied vo(r)m Tod: Beim Schweizer Fleischverarbeiter Bell werden die Tiere vor dem Schlachten mit Popmusik beschallt. Laut CEO Lorenz Wyss ist das am Standort in Oensingen bereits heute so und es soll auch im für 2024 dort geplanten, neuen Rinderschlachthof so sein. Das sagt der Chef der Coop-Tochter im Interview mit der "Handelszeitung".

Die Musik soll zum Tierwohl beitragen, sagt Bell-Sprecher Fabian Vetsch zu "20 Minuten": "In unseren Schlachtbetrieben hat das Tierwohl den höchsten Stellenwert." Die Licht- und Geräuschkulisse hätten ebenfalls einen Einfluss auf das Wohlbefinden der Tiere. 

Das Wohlbefinden der Tiere sei sowohl aus ethischen als auch aus qualitativen Gründen wichtig, sagt Vetsch weiter. Die Beschallung der Tiere mit Radiomusik sorgt laut Bell für besseres Fleisch.

Auch bei der Tochter Micarna des Detailhandelsriesen Migros wird den Tieren vor dem Tod Musik abgespielt. Es handle sich um klassische Musik, heißt es auf Anfrage.

Letzte Minuten in Stille

Allerdings beschallen nicht alle Schweizer Fleischverarbeiter ihre Tiere vor dem Schlachten: Bei Lucarna Macana etwa ist es umgekehrt: "Uns ist wichtiger, dass die Tiere Ruhe haben", sagt Geschäftsleiter Martin Hollenstein zu "20 Minuten".

Man achte darum vor allem darauf, dass die Tiere ruhig abgeladen werden und etwa Türen nicht laut klappern. Hollenstein kann sich aber schon vorstellen, dass Musik für die Tiere wie auch für Mitarbeiter positive Effekte haben könnte.

"Bolzenschuss mit Beethoven"

Dass sich manche Verarbeiter so sehr ums Tierwohl kümmern, dass sie ihnen sogar Musik abspielen, werten Gegner des Fleischkonsums als Zeichen dafür, dass auch der Fleischindustrie bewusst ist, wie sensibel Tiere sind.

Die Maßnahme schieße aber am eigentlichen Problem vorbei, findet Laura Lombardini, Geschäftsleiterin der Veganen Gesellschaft Schweiz: "Ob der Bolzenschuss mit Beethoven weniger schmerzt, ist zu bezweifeln."

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