Eine seit Jahren kursierende Falschnachricht über angebliche Kindesentführungen mit Krankenwagen hat in Rumänien zu einem Angriff auf Rettungskräfte geführt. Sieben Verdächtige wurden festgenommen.
Die Sanitäter hatten im Dorf Recea-Cristur einen Patienten abgeholt und waren auf dem Weg in ein Krankenhaus in Cluj-Napoca. Auf einer Landstraße blockierte plötzlich ein Auto den Rettungswagen. Mehrere mit Äxten, Schlagstöcken und Steinen bewaffnete Menschen stiegen aus und griffen das Fahrzeug an. Laut rumänischen Medien gaben sie an, auf TikTok erfahren zu haben, dass Krankenwagen gefährlich seien.
Ein Stein durchschlug die Windschutzscheibe, Glassplitter verletzten die Hornhaut des Fahrers. Trotzdem setzte er die rund 30 Kilometer lange Fahrt fort und brachte den Patienten sicher ins Krankenhaus. Die Heilung seines Auges werde drei Monate dauern.
Sechs Männer und eine Frau kamen wegen des Verdachts auf Körperverletzung und Störung der öffentlichen Ordnung für 30 Tage in Untersuchungshaft.
Schon bei der Ankunft des Krankenwagens in Recea-Cristur hatte es Unruhe gegeben. Als der Fahrer Passanten nach der Adresse des Patienten fragte, hätten diese die Auskunft verweigert und stattdessen mit ihren Smartphones gefilmt, berichtete die Lokalzeitung "Dejeanul".
Die Falschnachricht, wonach mit Krankenwagen Kinder geraubt würden, kursiert in Rumänien bereits seit Jahren. 2018 wurde eine Frau verprügelt, die mit einem ausrangierten Krankenwagen Bücher für ein Kulturprojekt in Dörfer brachte.
Rumäniens Vize-Premierministerin Oana Gheorghiu schrieb auf Facebook: "Krankenwagen stehlen keine Kinder, aber TikTok stiehlt Gehirne." Sie forderte Gesetze gegen Fake News und eine Identifizierungspflicht für Nutzer sozialer Medien.
Die Gewerkschaft der Rettungssanitäter fordert nach dem Angriff zudem eine Einstufung ihrer Berufsgruppe in die höchste Risikokategorie samt entsprechenden Lohnzulagen.