Bei manchen Leuten muss man sich wirklich wundern, was in deren Köpfen vorgeht. Auf den US-Influencer "Wolfy", der als "povwolfy" 400.000 Follower auf TikTok zählt, trifft das zweifellos zu. Sein "Schmäh", um mit wenig Aufwand maximale Reichweite zu erzielen, ist besonders perfide. Keith Castillo (29), so der bürgerliche Name des Texaners, nutzt Menschen in Notlagen aus, um auf deren Kosten Profit zu machen.
Dümpelte sein Account lange Zeit nur mäßig erfolgreich zwischen 5.000 und 20.000 Clicks pro Video herum, hat er vor gut vier Wochen scheinbar einen Nerv getroffen. Sein Video "Keeping Mexicans in the streets", also "die Mexikaner auf der Straße halten", zählt zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels 90.000 Aufrufe. Darin ist zu sehen, wie er an eine Packung mexikanisches Dosenbier an eine Gruppe von Leuten, die auf der Straße campieren, verteilt.
Die scheinbar gut gemeinte Geste kommt gut an. Die Leute bedanken sich freundlich, alle sind glücklich – fertig.
Durch den Erfolg des Videos motiviert postete "Wolfy" von da an nur noch Videos in dieser Art. Allerdings ging es nun nicht mehr um "Mexikaner", sondern generell Obdachlose auf den Straßen der Städte der USA. Und statt Bier verteilte er nun Schnaps (bzw. Zimt-Whisky). Titel der Videos: "Keeping the homeless in the streets", also "Die Obdachlosen auf der Straße halten".
Der Titel provoziert – die Clicks gehen nach oben. Und seine Follower bekommen den Eindruck vermittelt, alle Obdachlosen seien Alkoholiker und Alkohol sei der Grund, warum sie nicht von der Straße wegkommen. Er verteilt nun keine kleinen Flascherl in "Wachtmeister"-Größe mehr – sondern große Wodka-Flaschen. In einem Video baut er ein regelrechtes Schnaps- und Zigarettenbuffet auf. Er nennt es: "Die Obdachlosen ernähren". Zynischer geht es wohl kaum noch. Oder doch?
Denn nach ein paar Wochen scheint auch aus dieser Masche die Luft raus zu sein. Und "Wolfy" überlegt sich, wie er noch einen Schritt weiter gehen kann, wie er noch mehr provozieren kann – für Reichweite und Profit. Und so geht er in einen Großmarkt und kauft – richtig gehört – eine Packung Macheten. "Die kosten nur fünf Dollar pro Stück, unglaublich", kann er es selbst kaum fassen, wie leicht es ist, die Obdachlosen der Stadt zu bewaffnen.
Sein Kalkül geht auf. Sein Video, in dem er Macheten an Obdachlose in Austin (Texas) verteilt, steht aktuell bei 17 Millionen Aufrufen.
Die "New York Post" (NYP) konfrontierte den aus Corpus Christi, Texas, stammenden Mann mit einigen Fragen zu Sinn und Zweck seiner Aktionen. Demnach behauptet er, mit der Polizei gesprochen zu haben, dass es nicht illegal sei, Macheten zu verteilen. Dass die Messer zu Gewalt führen werden, glaube er nicht. "Die sind eher für Werkzeugzwecke gedacht", behauptet er.
Was er glaube, was passiere, wenn er Waffen und Alkohol an Menschen, die auf der Straße ums tägliche Überleben kämpfen müssen? "Ehrlich gesagt ist mir das völlig egal, Mann, Hauptsache Klicks und Aufrufe", so der gewissenlose Influencer. "Wir müssen tun, was wir tun müssen, um zu essen", denkt er bei all dem nur an seinen eigenen Vorteil.
Seine Videos werden von einem Wettanbieter gesponsert, wie die "NYP" berichtet. Nun "tourt" der 29-jährige durch die USA, um in weiteren Städten Macheten auf der Straße zu verschenken. "Ich hab bestimmt 30 Macheten im Auto", sagte er lachend zur "NYP". "Mann, die sind billig."
Bislang hat er Obdachlose in Austin, New Orleans und Little Rock bewaffnet – doch er hat größere Städte im Visier. "Ich habe vor, demnächst nach Las Vegas, Skid Row [in Los Angeles], zu fahren", so Castillo.
"Ich sollte im Januar in New York sein, ich habe dort viele Freunde", sagte er. "Verteilt dort auch ein paar Macheten und Feuerbälle." Mit Feuerbällen meinte er kleine Flaschen (30 ml) Zimtwhisky mit 33 % Alkoholgehalt.