TikTokerin setzt sich für mehr weibliche Orgasmen ein

Ronja Dornfeld betreibt den TikTok-Account.
Ronja Dornfeld betreibt den TikTok-Account.zVg
Sie ist selbstbewusst, unverblümt und hat eine große Mission: Ronja Dornfeld (30) will mit ihrem TikTok-Account die weibliche Sexualität feiern.

Was ist der Unterschied zwischen Vagina und Vulva? Wie groß ist die Klitoris? Und das Jungfernhäutchen, existiert es überhaupt? Die weibliche Sexualität ist für viele Menschen umringt von Mythen, Scham und Tabus. "Das muss sich ändern", dachte sich Ronja Dornfeld aus Berlin und startete Anfang des Jahres den TikTok-Account Org.sm. Mit kurzen, unterhaltsamen Videos will die 30-Jährige die weibliche Sexualität enttabuisieren und zu einem offenen, Lust machenden Dialog anregen.

"Die weibliche Lust existiert in Biologiebüchern nicht"

"Mir ist aufgefallen, dass die weibliche Sexualität mit unheimlich viel Scham behaftet ist, und das durch alle Bildungs- und Gesellschaftsschichten und auch Altersklassen hinweg", sagt die Berlinerin. "Das Thema wird entweder durch die nüchterne Medizinerbrille betrachtet oder in Onlineforen diskutiert. Das Ergebnis ist immer das Gleiche: Ich bin defekt. Und im Sexualkundeunterricht werden höchstens die Themen Verhütung, Schwangerschaft und sexuell übertragbare Krankheiten abgedeckt. Die weibliche Lust existiert in Biologiebüchern nicht."

So entschied Ronja Anfang des Jahres kurzum, die weibliche Sexualität alltagstauglich zu machen: Sie eröffnete den TikTok-Account Org.sm, auf dem sie und ihr kleines Team regelmäßig kurze Erklärvideos posten. Darin lässt Ronja Frauen und Paare mit ihren Bettgeschichten zu Wort kommen und lädt Experten und Expertinnen ein, die zu spezifischen Themen Auskunft geben: Free Bleeding – also dem Trend, gänzlich auf Menstruationsprodukte zu verzichten –, Erektionsprobleme oder Selbstbefriedigung im Islam.

TikTok-Account wurde schnell zum Erfolg

Das Ziel der TikTok-Videos ist immer das gleiche: Reden, worüber sonst nicht geredet wird, an starren Vorstellungen rütteln und zeigen, dass es richtig oder falsch in der weiblichen Sexualität schlichtweg nicht gibt.

Der Account wurde schnell zum Erfolg: Nicht mal ein Jahr nach dem Launch zählt Org.sm über 144.000 Follower und 3,8 Millionen Likes. Jedes Video wird von der Community rege kommentiert und geteilt – "der Bedarf an Aufklärung ist also da!", so Ronja.

"Weibliche Selbstbefriedigung in Pornos dient meist der männlichen Lust"

Doch das Team von Org.sm erfährt für ihre Videos auch Kritik: "Gerade das Thema weibliche Selbstbefriedigung polarisiert sehr", meint Ronja. "Das liegt vermutlich daran, dass keiner darüber spricht und das, was man in Pornos sieht, meist der männlichen Lust dient."

Ronja will darum den Fokus mehr auf die weibliche Lust richten. "Orgasmen sind ein Menschenrecht – eines der wenigen Dinge im Leben, die kostenlos sind und nur Vorteile haben." Dazu gebe es zwar schon einige wissenschaftliche Erkenntnisse, aber leider noch lange nicht genug. "Das kann man nur ändern, indem man darüber spricht – und das am besten möglichst schon mit Kindern, bevor sich Erwartungen und Bilder aus Filmen einbrennen."

Die junge Berlinerin hofft, dass mehr Transparenz und eine Hands-on-Mentalität auch zu mehr weiblichen Orgasmen führen. "Denn die Mehrheit der Frauen kann mit reiner Penetration gar nicht zum Höhepunkt kommen – etwas, worüber immer noch viel zu wenige Bescheid wissen."

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