Entführte Tochter findet Mutter auf Facebook wieder

Claudia und Jasmin (r.) haben sich nach 30 Jahren wieder in den Arm genommen.
Claudia und Jasmin (r.) haben sich nach 30 Jahren wieder in den Arm genommen.privat
Sie wurde von ihrem Vater entführt und dachte 30 Jahre lang, dass ihre Mutter tot sei. Eine Nachricht auf Facebook sollte das Gegenteil beweisen.

Diese Geschichte könnte man mit einem Netflix-Film verwechseln, doch für Claudia Germuth ist sie Realität. Vor über 30 Jahren lernte die Steirerin ihren damaligen Mann kennen. Das Paar zog nach kurzer Zeit nach Wien. "Es hat nicht lange gedauert und ich war mit Jasmin schwanger", erzählt die 58-Jährige im Gespräch mit "Heute". Das Familienglück sollte aber nur kurz halten. "Er fing an zu trinken, wir haben viel gestritten."

Die Steirerin dachte bereits an Scheidung. Die Trennung sollte schneller kommen, als gedacht. "Ich war bei einem Arzttermin. Er passte auf Jasmin auf. Sie war zu der Zeit Anderthalb. Ich bin gegen Mittag wieder nach Hause gekommen und habe mich gewundert, dass es so leise war", berichtet Germuth. Im ersten Moment wusste die Mutter gar nicht was los war. Als sie sah, dass Jasmins Sachen und die Sachen ihres Mannes aus dem Kleiderschrank verschwunden waren, kam der Schock. "Es war ganz schlimm. Ich habe sofort die Polizei angerufen." 

Claudia mit ihren Enkelkindern Salma, Mazen und Josef
Claudia mit ihren Enkelkindern Salma, Mazen und Josefprivat

Kurz darauf sollte Germuth erfahren, dass sich ihr damaligen Mann mit ihrer Tochter nach Ägypten abgesetzt hatte. "Ich war völlig verzweifelt und habe sogar einen Anwalt eingeschaltet, aber da ist auch nichts raugekommen." Nach Ägypten zu reisen war für Germuth nicht möglich. "Ich hätte nicht gewusst wo ich zu Suchen anfangen soll. Und das noch damals zu dieser Zeit." 

"Bist du meine Mama?"

Die Jahre vergingen, von ihrer Tochter oder ihrem Mann hörte die Steirerin nichts. "Es war eine harte Zeit. Auch nach Jahren der Verzweiflung denkt man immer wieder daran." Später lernte Germuth einen anderen Mann kennen und bekam noch eine Tochter. Die Beziehung ging aber in die Brüche. "Es war nicht leicht, aber ich war froh, meine Tochter bei mir zu haben." Dass sie einmal beide Kinder in den Armen halten würde, hätte sich die Mutter bis zu einem Tag im Jahr 2017 nie gedacht.

"Ich kann mich noch daran erinnern, als ob es gestern gewesen wäre. Ich bin auf dem Sofa gesessen und habe eine Talkshow gesehen, als ich auf Facebook plötzlich eine Freundschaftsanfrage von einer Jasmin bekam." Die Steirerin traute ihren Augen nicht. "Ich hab noch gedacht, das kann nicht sein. Kurz darauf kam aber eine Nachricht in der 'bist du meine Mama?' stand." Dazu schickte die Person Germuth Dokumente wie einen Meldezettel, auf dem sie ihren Name entdeckte.  "Es war überwältigend. Wir haben dann auf Englisch stundenlang hin- und hergeschrieben." 

"Ihr Vater hatte ihr erzählt, dass ich tot sei. Als er an Lungenkrebs verstarb, räumte sie seine Wohnung aus und fand dort auf der Toilette ein Geheimversteck mit Dokumenten. Darunter war auch ein Meldezettel, auf dem mein Mädchenname stand."

Wenig später stand bereits das große Wiedersehen am Plan. "Sie ist aus Ägypten nach Graz geflogen. Ich habe ein "Welcome Jasmin"-Schild gebastelt und damit auf sie gewartet. Als sie dann vor mir gestanden ist, hat es mir das Herz zerrissen. Wir haben uns umarmt und nur noch geweint." Eine Woche lang war Jasmin bei ihrer Mutter und berichtete ihr, wie sie Germuth überhaupt gefunden hatte.

Plötzlich Oma

"Ihr Vater hatte ihr erzählt, dass ich tot sei. Als er an Lungenkrebs verstarb, räumte sie seine Wohnung aus und fand dort auf der Toilette ein Geheimversteck mit Dokumenten. Darunter war auch ein Meldezettel, auf dem mein Mädchenname stand." Jasmins Ehemann ermutigte sie nachzuprüfen, ob ihre Mutter wirklich tot sei. So begann für die heute 34-Jährige eine abenteuerliche Suche. "Sie hat verschiedene Behörden kontaktiert und unzählige Claudias angeschrieben."

Mittlerweile ist Jasmin mit ihren drei Kindern (13, 11, 8) in die Steiermark gezogen und lebt nur 15 Minuten von Germuth entfernt. "Sie hat Arbeit und eine eigene Wohnung gefunden. Ihr Mann ist ein Ingenieur und arbeitet derzeit in Saudi-Arabien, sucht aber händeringend nach Arbeit in Österreich." Auch Tochter Melissa lebt in der Nähe der Familie. Für Germuth geht somit ein Traum in Erfüllung. "Wir verbringen viel Zeit zusammen und ich liebe es, dass auch meine Enkerln da sind." 

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