Tochter klagt: Lokal von Terror-Opfer droht Pleite

Gedenkstein der Stadt Wien für die Opfer des Terroranschlages vom vom 2. November 2020.
Gedenkstein der Stadt Wien für die Opfer des Terroranschlages vom vom 2. November 2020.Guenter Artinger / picturedesk.com
"Es kam einfach gar nichts", klagt die Tochter eines der Terror-Opfer vom 2. November. Nur ein einziger Politiker bekundete sein Beileid.

Ein 40-jähriger Lokalbesitzer wollte noch schnell die Türe abschließen, als er den Attentäter erblickte. Dieser schoss mehrere Male auf ihn, er starb. Seine Familie, bestehend aus seiner Frau und zwei Töchtern, klagt nun die Republik auf Schadenersatz und Schmerzengeld.

Denn im Vorfeld des Terroranschlags gab es unzählige Ermittlungspannen, wie auch die eigens eingerichtete Untersuchungskommission feststellte. Alles in Allem, so die Anwälte der Familie, sei der Anschlag zu verhindern gewesen. Anders sehen das die Behörden. Beim Prozess vergangene Woche gab es keine Einigung, er wurde auf Herbst vertagt.

"Es kam gar nichts"

Wendy Li ist Studentin, ihr Vater war jener Lokalbesitzer, der seine letzten Sekunden dem Schutz seiner Kollegen und Gäste opferte. Das Verhalten der Behörden stößt ihr besonders sauer auf, wie sie in der "Wien heute" Reihe "Bei Budgen" erzählt. "Es kam einfach gar nichts. Keine Entschuldigung, kein gar nichts. Sie haben mich nicht einmal angeschaut bei der Gerichtsverhandlung."

Nach dem Verbrechensopfergesetz gibt es 2.000 Euro für die Familie. Nun kommen sie gerade noch über die Runden, insbesondere weil Wendys Schwester beruflich tätig ist, wie sie erzählt. "Aber meine Mutter schafft es nicht mehr, arbeiten zu gehen."

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Konkurs

Eigentlicher Plan wäre es gewesen, das Lokal des Vaters weiterzuführen. Aber das wird immer unwahrscheinlicher. "Es ist schwer, wenn man die Fixkosten noch trägt." Auch steht dabei stets im Hintergrund, dass eine geliebte Person in diesem Lokal gestorben ist. Will man das dann überhaupt weiterführen, fragt sie sich. Auch, ob es noch Gäste gibt, die trotz der tragischen Berühmtheit hier essen wollen würden. Sie werden deswegen vermutlich Konkurs anmelden müssen.

Bis auf den Bundespräsidenten habe sich kein einziger Politiker gemeldet, um sein Beileid auszudrücken. Das würde sie sich aber ausdrücklich wünschen. Selbst nach mehrerer Interview-Auftritte sei überhaupt nichts gekommen. Mit dem Tatort selbst habe sie eher weniger Probleme, anderen gehe es da schlechter. "Meine Mutter kommt auch nie aus dem Haus", erzählt Wendy. "Dieses schwere Gefühl wird man nicht los. Das kann man nicht wiedergutmachen."

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