Gesundheit

Tochter stirbt an Fettsucht – Eltern angeklagt

Mutter und Vater eines 16-jährigen Mädchens werden beschuldigt, ihren Tod verursacht zu haben, weil sie die Krankheit nicht verhinderten.

Sabine Primes
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Haben die Eltern ihre Tochter auf dem Gewissen?
Haben die Eltern ihre Tochter auf dem Gewissen?
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Die erst 16-jährige Kaylea Titford aus Newtown in Großbritannien wurde von ihrer Mutter zu Hause tot im Bett gefunden. Sie starb an Gesundheitsproblemen, die mit ihrer Fettleibigkeit zusammenhingen. Jetzt stehen die beiden Eltern, Vater Alun Titford, 44, und Mutter Sarah Lloyd-Jones, 39, vor Gericht. Angeklagt wegen grob fahrlässiger Tötung und der Verursachung oder Zulassung des Todes eines Kindes oder einer gefährdeten Person.

Ihnen wird vorgeworfen, zwischen dem 24. März und dem 11. Oktober 2020 nicht sichergestellt zu haben, dass Kayleas Ernährungsbedürfnisse erfüllt wurden, was zu krankhafter Fettleibigkeit führte. In der Anklageschrift heißt es: "Sie sorgten auch nicht dafür, dass sie sich ausreichend bewegte, dass sie in einem hygienischen Zustand war, dass sie eine sichere und hygienische Umgebung hatte, dass ihre körperliche Gesundheit aufrechterhalten wurde oder dass angemessene medizinische Hilfe in Anspruch genommen wurde."

"Entzündungen und Infektionen mit Geschwüren"

Als Todesursache wurden "Entzündungen und Infektionen in ausgedehnten Bereichen mit Geschwüren infolge von Fettleibigkeit und deren Komplikationen bei einem Mädchen mit Spina bifida und Hydrocephalus (Wasserkopf, Anm.)" angegeben. Bei einer früheren Untersuchung wurde festgestellt, dass der Teenager während seines gesamten Lebens mit "zahlreichen medizinischen Problemen" zu kämpfen hatte und unbeweglich war.

Spina bifida wird oft als offener Rücken bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Fehlbildung der Wirbelsäule und oft des Rückenmarks, die sich während der Schwangerschaft entwickelt. Im Durchschnitt ist eines von 1.000 Neugeborenen betroffen, dabei Mädchen grundsätzlich häufiger als Jungen. Betroffene benötigen ihr ganzes Leben eine regelmäßige und individuelle medizinische Behandlung.
Die Folgeschäden der Spina bifida setzen bereits in der frühen Kindheit ein, machen sich möglicherweise aber auch erst im Erwachsenenalter bemerkbar. Zu den Problemen zählen beispielsweise Muskelschwäche in den Beinen oder Lähmungen der Blase und des Darms. Ein Hydrocephalus (Wasserkopf) ist ebenfalls möglich.
Meistens bestehen erhebliche Probleme im Bereich des Bewegungsapparates. Insgesamt können Mobilität und Selbstständigkeit der Betroffenen durch diese Probleme beträchtlich eingeschränkt sein.

Der Gerichtsmediziner dazu: "(...) Diese Ermittlungen geben mir Anlass zu der Vermutung, dass Kaleighs Tod unnatürlich war, da eine natürliche Todesursache als unnatürlich angesehen werden kann, wenn es eine schuldhafte menschliche Beteiligung oder einen Beitrag zu diesem Tod gibt."

Bis dato haben sie sich nicht zu den Vorwürfen geäußert, sondern lediglich ihre Namen, ihr Alter und ihre Adresse bestätigt. Sie wurden auf Kaution freigelassen, dürfen aber keinen Kontakt zu Personen unter 18 Jahren haben. Das Gerichtsverfahren wurde vertragt.