Wenn 65.000 Fans feiern, entstehen normalerweise Berge an Müll, lange Autofahrten und enorme Energiemengen. Die Toten Hosen wollen genau das jetzt verändern - und starten ihre neue Tour mit einem ungewöhnlichen Plan.
Mit einer Rekordkulisse auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart eröffnen Campino & Co. ihre komplett ausverkaufte Open-Air-Tour "Trink aus! Wir müssen gehen" - und setzen dabei nicht nur musikalisch ein Zeichen. Erstmals präsentiert die Band ein umfassendes Nachhaltigkeits- und Sozialkonzept, das sämtliche Bereiche der Tour umfasst.
Unter dem Titel "Wie Tour auch gehen kann" beschäftigt sich die Band gemeinsam mit ihrem Team monatelang mit der Frage, wie Stadion- und Open-Air-Konzerte nachhaltiger und sozialer organisiert werden können - und zwar nicht als PR-Aktion, sondern im echten Tour-Alltag.
Die Band erklärt dazu: "Nicht perfekt und nicht als Moralprojekt. Nicht, um uns auf die Schulter zu klopfen. Sondern weil wir glauben, dass man Dinge anders machen kann: ehrlicher, konsequenter und im besten Fall besser."
Damit große Shows künftig weniger Ressourcen verbrauchen, setzt die Produktion dort, wo möglich, auf Öko-Feststrom statt Generatoren. Zusätzlich kommen alternative Kraftstoffe zum Einsatz, die klassische Diesel-Lösungen teilweise ersetzen sollen.
Auch die Bühnentechnik wird angepasst: Energieeffiziente LED-Systeme gehören ebenso zum Konzept wie erstmals getestete Batterielösungen für Teile der Showtechnik.
Nicht nur Klima, auch soziale Fragen stehen im Fokus. Erstmals bietet die Band sogenannte Sozialtickets an, um Menschen mit geringerem Budget Konzertbesuche zu ermöglichen.
Zusätzlich arbeitet die Tour mit der Initiative "Barrierefrei Feiern" zusammen. Das Kollektiv aus Menschen mit und ohne Behinderungen begleitet die Veranstaltungen und überprüft direkt vor Ort, wie zugänglich und inklusiv die Konzerte tatsächlich sind.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Anreise. Bei fast allen Tourstopps ist der öffentliche Nahverkehr bereits im Ticketpreis enthalten. Darüber hinaus werden Fahrgemeinschaften, Fahrrad-Anreise, barrierefreie Mobilitätsangebote und E-Mobilität aktiv gefördert.
Auch beim Essen und bei den Ressourcen will die Band neue Standards setzen: Mehr vegetarische und vegane Angebote, kostenloses Trinkwasser, die Weitergabe überschüssiger Lebensmittel, weniger Verpackung sowie bessere Mülltrennung und Recycling gehören zum Maßnahmenpaket.
Selbst beim Merchandise achtet das Team stärker auf verantwortungsvolle Herstellung und Wiederverwendbarkeit.
Damit die Ideen nicht nur gut klingen, sondern auch messbar werden, begleitet die Berliner Hochschule für Technik (BHT) das Projekt wissenschaftlich. Ziel ist es, auszuwerten, welche Maßnahmen tatsächlich funktionieren - und wie große Konzerttourneen in Zukunft nachhaltiger organisiert werden können.
Für die Toten Hosen ist klar: Rockshow und Verantwortung sollen sich nicht ausschließen. Am 12. September im Wiener Ernst-Happel-Stadion (ausverkauft) und am 23. Juni 2027 am Grazer Messegelände (gibt noch Tickets).