Erst Krems (NÖ), dann der Attersee (OÖ) und nun auch Italien: Die Serie an tödlichen Abstürzen reißt nicht ab. Diesmal war das Unglücksluftfahrzeug ein sogenannter Tragschrauber – auch Gyrocopter genannt. Laut dem Luftfahrtexperten Patrick Huber von "austrianwings.info" ist dies kein Hubschrauber aber auch kein Flugzeug.
Ein Tragschrauber ist eine eigene Gattung. Er besteht aus einem Druckpropeller, der hinter der Kabine liegt und das Gefährt antreibt. Dabei wird der Rotor durch die Vorwärtsgeschwindigkeit des Luftfahrzeuges in Bewegung versetzt. Die Vorteile des Gefährts: Sie sind günstig zu betreiben und benötigen nur eine kurze Start- und Landestrecke. Schnelle Geschwindigkeiten sind damit nicht möglich. Manöver mit negativer G-Belastung sind tabu und führten bereits zu tödlichen Unfällen.
Der aktuelle Vorfall ereignete sich am Mittwoch im Antrona-Tal beim Campliccioli-See. Tragischerweise dürfte der Pilot das Seil einer quer verlaufenden Materialseilbahn übersehen haben. Unter Berufung auf den lokalen Bürgermeister berichten italienische Medien davon, dass die Seilbahn sich dort bereits seit "sechzig Jahren" befinde. Dennoch kam es zur Kollision mit verhältnismäßig hoher Geschwindigkeit.
Dadurch brach der Rotormast, nur eine Sekunde später entzündete sich der Kraftstoff explosionsartig. Das brennende Fluggerät krachte vom Himmel. Für die beiden Passagiere – einen 62-Jährigen und eine 63-Jährige – kam jede Hilfe zu spät. Die Ursache des Unfalls ist unklar. Auf den Amateuraufnahmen der Tragödie waren keine Ausweichmanöver erkennbar.
Im alpinen Gelände führten Stromleitungen und nicht oder unzureichend gekennzeichnete Heuseile/Materialseilbahnen öfter zu schweren Unfällen. Im Jahr 1992 krachte der Notarzthubschrauber Christophorus 5 in Tirol in ein nicht in den Luftfahrkarten verzeichneten Heuseil. Eine am Tau hängende Notärztin starb, der Pilot und der Sanitäter überlebten mit schweren Verletzungen. Ebenfalls in Tirol kam es 2017 zum Zusammenstoß einer privaten Bell 47 und dem Kabel einer Materialseilbahn.