Die Schweiz trauert um eine ihrer bekanntesten und umstrittensten Persönlichkeiten. Jean Ziegler ist tot. Der Soziologe, Politiker und Bestsellerautor starb am Mittwoch in Genf im Alter von 92 Jahren. Das berichtete der öffentlich-rechtliche Sender SRF unter Berufung auf seine Familie.
Ziegler wurde am 19. April 1934 als Hans Ziegler geboren. Bekannt wurde er weit über die Grenzen der Schweiz hinaus als scharfer Kritiker des Kapitalismus, der Bankenwelt und der globalen Ungleichheit. Jahrzehntelang lehrte er als Professor für Soziologie an der Universität Genf und war zudem an Hochschulen in Paris und anderen Städten tätig.
Politisch gehörte Ziegler der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SP) an. Als Nationalrat setzte er sich besonders für Entwicklungsländer und soziale Gerechtigkeit ein. Dabei scheute er keine Konflikte und sorgte mit seinen Positionen immer wieder für heftige Debatten.
Auch als Autor hinterließ Ziegler deutliche Spuren. Werke wie "Die Schweiz wäscht weißer" oder "Der Hass auf den Westen" wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Bis ins hohe Alter veröffentlichte er Bücher und kritisierte die globale Wirtschaftsordnung. Noch zu seinem 90. Geburtstag bezeichnete er den Hunger auf der Welt als "absoluten Skandal unserer Zeit".
Nach seiner politischen Laufbahn arbeitete Ziegler für die Vereinten Nationen. Von 2000 bis 2008 war er UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Danach blieb er dem Menschenrechtsrat als Berater verbunden.