Bei diesem Termin musste ich mich selbst mehrmals zwicken, um zu verstehen, dass das wirklich passiert.
Zwei Tage zuvor moderiert Trevor Noah die Grammys, macht ein paar elegant verpackte Witze auf Kosten von Donald Trump – und kassiert dafür prompt Kritik aus dem Trump-Lager. Die ganze Welt sprach mit einem Mal über den Entertainer und seine Aussagen. Und plötzlich sitze ausgerechnet ich ihm gegenüber. Als einzige Person in ganz Europa bekam ich die Möglichkeit mit Trevor zu sprechen. Grund: Pokémon.
Trevor Noah ist eines der Gesichter der großen Pokémon-Jubiläumskampagne, die beim Super Bowl offiziell eingeläutet wurde. Mit dabei: Lady Gaga, Fußball-Wunderkind Lamine Yamal – und eben Trevor.
Trevor wirkt entspannt, freundlich, wach. Kein Grammys-Stress, kein Star-Gehabe. Eher wie jemand, der sich ehrlich freut, über etwas zu reden, das ihn seit Jahrzehnten begleitet. "Ich habe Pokémon schon mein ganzes Leben lang gejagt und gefangen", sagt er gleich zu Beginn. "Seit ich zehn bin. Bis jetzt." Er fügt dann lachend hinzu: "Dass ich jetzt Teil dieser Welt sein darf, die ein gutes Gefühl versprüht, ist wunderschön."
Er erzählt von seiner ersten Begegnung mit Pokémon in Südafrika. Die Karten kamen gerade auf den Markt. Kämpfen, tauschen, vergleichen. "Es hatte einen magischen Effekt", sagt er. "Selbst wenn du nicht wusstest, was es ist, hattest du sofort eine Verbindung zu den Figuren." Spätestens mit dem Game Boy war es um ihn geschehen. "Es war die gelbe Edition. Ich war im Paradies. Ich bin herumgerannt und war Ash auf dieser Reise durch eine völlig neue Welt."
Besonders liebevoll wird er, als es um sein Lieblingspokémon geht: Enton!
Ein Pokémon, das verwirrt wirkt, manchmal mit dem Rücken zum Gegner kämpft, ständig Kopfschmerzen hat. "Enton rackert sich mit seinem eigenen Gehirn ab – und damit kann ich mich identifizieren", sagt Noah und lacht. "Alle sind verwirrt, wenn Enton kommt. Er selbst auch. Aber dann, wenn du es am wenigsten erwartest, rettet er dich." Es geht ihm um Potenzial. Um Durchhalten. Um Helden, die keine offensichtlichen Helden sind.
Als wir über den Unterschied zwischen damals und heute sprechen, wird er fast philosophisch. Pokémon sei für seine Generation etwas völlig Neues gewesen. "Du hattest dein eigenes Pokémon auf deinem eigenen Game Boy. Du hast entschieden, wie stark es wird." Und mehr noch: "Es war eines der ersten echten Social Games, lange bevor Social Media existiert hat." Tauschen, kämpfen, sich verbinden. Heute normal. Damals revolutionär.
Warum Pokémon immer größer wird? Noah muss nicht lange überlegen: "Pokémons oberste Priorität ist es, Menschen zusammenzubringen." Er erzählt von Pokémon Go, von Begegnungen mit Fremden und von einem Moment, der sich eingebrannt hat: Ein Relaxo taucht mitten in der Nacht im Central Park auf. Hunderte Menschen rennen los. "Plötzlich ruft jemand: 'Trevor Noah? Omg, wir müssen zusammen das Relaxo fangen!'" Er lacht. "All die guten Dinge passieren, weil du neue Menschen triffst."
Zum Schluss frage ich ihn, was er seinem jüngeren Ich sagen würde. Seine Antwort: "Es gibt nicht nur einen Weg, wie man sein muss. Es gibt nicht das beste Pokémon." Manche entwickeln sich später. Manche sind leise wie Mew und trotzdem unfassbar stark. "Finde deinen eigenen Weg. Auch wenn es heute nicht klappt: Du weißt nicht, zu was du dich morgen entwickelst."
Mit diesen Worten endet auch unser Gespräch. Ich habe gerade nicht nur mit einem der spannendsten Entertainer unserer Zeit gesprochen, sondern mit einem Fan. Mit einem Zehnjährigen im Herzen, der noch immer durch hohes Gras läuft, auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. Genau das ist der Zauber von Pokémon.