Bei der Volkshilfe

Trotz eigener Not: Andi & Alex helfen mit Lebensmitteln

Jeden Dienstag werden bei der Volkshilfe Wien 250 Lebensmittelpakete ausgegeben. "Heute" hat mit zwei Betroffenen gesprochen, die selbst mithelfen.
Christine Ziechert
13.07.2026, 06:15
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Wenn sich um Punkt 8 Uhr die Türen der Lebensmittelausgabe der Volkshilfe Wien in der Scheydgasse 21 (Wien-Floridsdorf) öffnen, warten bereits zahlreiche Menschen. Manche stehen schon seit sechs Uhr früh an. Jeden Dienstag (außer an Feiertagen) werden hier innerhalb von nur zwei Stunden 250 Lebensmittelpakete ausgegeben.

In den Paketen befinden sich Grundnahrungsmittel wie Reis, Nudeln, Mehl, Öl, Hülsenfrüchte oder H-Milch. Zusätzlich liefert die Tafel Österreich jede Woche frische Lebensmittel wie Kartoffeln, Karotten oder Zwiebeln.

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Bedarf an Paketen ist riesig

"An manchen Tagen müssen wir 30 bis 40 Menschen – manchmal auch mehr – wieder nach Hause schicken", sagt Paul Dickinger, Leiter Netzwerk Zivilgesellschaft und Organisation der Volkshilfe Wien. Der Bedarf sei enorm.

Bezugsberechtigt sind Menschen mit Wohnsitz in Wien, deren Einkommen unter rund 1.830 Euro netto pro Monat liegt. Nach einer Registrierung können sie einmal im Monat zwei Lebensmittelpakete mit einem Gesamt-Warenwert von rund 20 Euro abholen.

Freiwillige Helfer gesucht

Zu den Beziehern zählen laut Dickinger viele ältere Menschen, Familien, Arbeitslose, subsidär Schutzberechtigte sowie Erkrankte aus der Ukraine. Die Lebensmittelausgabe ist zudem auf die Unterstützung von Ehrenamtlichen und Zivildienern angewiesen – laufend werden freiwillige Helfer gesucht.

Einer davon ist Andi (61). Vor rund einem Jahr kam er selbst als Bezugsberechtigter zur Volkshilfe. Mittlerweile hilft er jede Woche bei der Ausgabe mit. "Mir haben beide Aspekte gefallen – ich bin Bezugsberechtigter und Helfer", erzählt er.

Andi darf sich selbst ein Sackerl mitnehmen

Daheim verbringt der leidenschaftliche Musiker viel Zeit allein in seinem Tonstudio oder in der Küche – ein krasser Gegensatz zu seiner Tätigkeit bei der Lebensmittelausgabe: "Hier kann ich mich mit anderen Leuten austauschen. Man bekommt eine Reaktion, die Leute freuen sich."

Als ehrenamtlicher Helfer darf er einmal im Monat selbst ein Lebensmittel-Sackerl mitnehmen. "Bei den derzeitigen Lebensmittelpreisen macht das schon etwas aus." Andi machte eine Lehre, arbeitete zunächst in einer Druckerei, später beim Film, wo er Untertitel erstellte, und schließlich im CD-Verkauf. Mit rund 50 Jahren verlor er seinen Arbeitsplatz. "Danach war es irrsinnig schwer, wieder eine Fixanstellung zu finden", erklärt er.

Alex kauft nur Second-Hand

Heute lebt der 61-Jährige von der Notstandshilfe (rund 1.230 Euro). Er kocht täglich selbst, backt sein eigenes Brot und sagt: "Ich lebe heute gesünder und fühle mich mit 61 fitter als mit 35."

Auch Alexandra (51) – Alex genannt – engagiert sich ehrenamtlich bei der Lebensmittelausgabe und ist ebenfalls Bezugsberechtigte. Auf das Angebot wurde sie zufällig aufmerksam. "Ich kaufe nur Second Hand, bin ein echter Vintage-Junkie. Ich kenne natürlich auch alle Volkshilfe-Shops", verrät sie.

Menschen stehen bei jedem Wetter an

Besonders im Winter seien die Bilder manchmal bedrückend. "Die Menschen stehen schon ab fünf Uhr früh bei Regen oder Schnee an. Manchmal reicht die Schlange bis zur S-Bahn-Station." Die Nachfrage sei riesig. "Natürlich geht einem das Leid der Menschen nahe. Aber die Dankbarkeit, die man bekommt, ist groß. Ich bin unglaublich gerne hier", sagt sie.

Alex absolvierte die Gastgewerbefachschule und arbeitete später im PR-Bereich sowie in einer Werbeagentur. Danach eröffnete sie ein Second-Hand-Geschäft. Nach der Geburt ihres Sohnes musste die alleinerziehende Mutter das Geschäft jedoch schließen.

Traum vom eigenen Second-Hand-Shop

Seit rund zehn Jahren sucht sie nach einer Möglichkeit, wieder ein eigenes Second-Hand-Geschäft zu eröffnen oder in diesem Bereich zu arbeiten. Ihren Lebensunterhalt bestreitet sie derzeit mit AMS-Geld, Familienbeihilfe und ihren Ersparnissen. "Noch geht es", sagt sie. "Aber die Frage ist: Wie lange noch?"

Allein im Jahr 2025 wurden in der Scheydgasse 13.268 Lebensmittelpakete ausgegeben. Die hohe Nachfrage kommt nicht von ungefähr. Zwar ist die allgemeine Inflation zuletzt zurückgegangen, viele Lebensmittel kosten aber nach wie vor deutlich mehr als noch vor wenigen Jahren. Vor allem Grundnahrungsmittel sowie Energie- und Wohnkosten belasten viele Haushalte.

Mehr als nur Hilfe für andere

Damit die Ausgabe in der Scheydgasse Woche für Woche funktioniert, arbeiten Ehrenamtliche und Zivildiener Hand in Hand. Für Andi und Alex ist ihr Engagement längst mehr als nur Hilfe für andere. "Die Menschen hier sind ein Wahnsinn", sagt Alex. Und Andi bringt es schlicht auf den Punkt: "Es ist eine wertvolle Erfahrung."

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