Wie seit Dienstag bekannt ist, plante der FIFA-Präsident die Gründung des Unternehmens FIFA Forward Enterprise (FFE). Dieses sollte die kommerziellen Rechte an den Fußball-Weltmeisterschaften bei Männern und Frauen, sowie der Klub-WM enthalten. Investoren sollten sich daraufhin mit 20 bis 30 Prozent an dem Unternehmen beteiligen können.
Konkret stand eine Unternehmensbewertung von 20 Milliarden Dollar im Raum. Im Zyklus bis zur nächsten Fußball-Weltmeisterschaft 2030 hätten zehn Milliarden Dollar (8,8 Milliarden Euro) ausgeschüttet werden sollen. Dafür hätte es bis 19. September die Zustimmung der Mehrheit von 106 FIFA-Mitgliedsverbänden gebraucht. Dann hätten diese sofort, mit Jahresbeginn 2027, 20 Millionen US-Dollar (17,85 Millionen Euro) erhalten – jeder Verband, der zugestimmt hatte. Alle anderen wären mit einem deutlich reduzierten Betrag abgespeist worden.
Schnell regte sich aber Widerstand gegen Infantinos Pläne. Allen voran vonseiten der UEFA, die sich geschlossen dagegen aussprach und sogar mit einem Boykott drohte. Auch die Konföderationen von Nord- und Mittelamerika und Asien stellten sich kritisch dagegen. Damit kann Infantino keine Mehrheit mehr erreichen.
Was viele dabei beschäftigt: Warum plante der FIFA-Boss gerade jetzt, so kurz nach der kommerziell erfolgreichsten WM aller Zeiten, diesen Schritt? Warum muss es so schnell gehen mit der Deadline am 19. September? Warum lief alles so intransparent? Mit Joshua Kushner, dem Bruder von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, soll der Hauptinvestor bereits festgestanden sein. Und ebenso bleibt die Frage offen, wie Infantinos Zukunft aussehen würde. Denn nach der geplanten Wiederwahl im März 2027 müsste er spätestens 2031 seinen Posten als FIFA-Präsident räumen, könnte dann – so vermuten viele – den fliegenden Wechsel als Geschäftsführer der neuen FIFA-Firma machen.
Viele vermuteten, dass Trump, oder zumindest Personen aus dessen Umfeld, vom Infantino-Plan gewusst haben könnten. Schließlich pflegte der FIFA-Präsident und das US-Staatsoberhaupt durchaus einen engen Kontakt während der Weltmeisterschaft. Infantino hatte Trump schließlich sogar den neu eingeführten FIFA-Friedenspreis verliehen. Doch Trump weiß eigenen Angaben zufolge nichts über die FIFA-Pläne. "Nein, ich habe nie mit ihm geredet", sagte der US-Präsident auf die Infantino-Pläne angesprochen in einer Medienrunde in Camp David.
Derweil wird es auch innerhalb der FIFA immer ungemütlicher für den 56-jährigen Schweizer. Mit Carlos Cordeiro wandte sich ein Berater vom FIFA-Boss ab und mit Kevin Lamour stellte sich nun sogar ein FIFA-Direktor öffentlich gegen den so mächtigen Fußball-Boss.