Gianni Infantino ist mit seinem Plan, Anteile an der WM an US-Investoren zu verkaufen, krachend gescheitert. Die UEFA stellte sich mit allen 55 Mitgliedsverbänden geschlossen gegen den Plan Infantinos, das Unternehmen FIFA Forward Enterprise (FFE) zu gründen und darin die kommerziellen Rechte an den Fußball-WMs der Frauen und Männer, sowie der Klub-WM zu bündeln, um 20 bis 30 Prozent davon an Investoren abzugeben, bis zu zehn Milliarden Dollar (8,8 Milliarden Euro) bis zur nächsten WM 2030 zu lukrieren – das wäre eine Vervierfachung. Europas Fußballverband lehnte diesen Plan jedenfalls ab, stellte sogar einen Boykott in den Raum. Auch die Konföderationen aus Nord- und Mittelamerika (CONCACAF), sowie aus Asien (AFC) stellten sich deutlich gegen die FIFA-Pläne.
Damit ist schon jetzt klar, dass Infantino keine Mehrheit für sein Vorhaben hat. Alle drei Konföderationen zusammen haben 143 Stimmen, es bräuchte die Mehrheit von 106 der 211 Stimmen, um den Investorenplan anzunehmen. Das ist vom Tisch, schon weit vor der eigentlich von der FIFA anberaumten Frist am 19. September.
Mittlerweile regt sich auch innerhalb der eigenen Reihen Kritik an Infantino. Nachdem mit Carlos Cordeiro ein wichtiger Berater des FIFA-Präsidenten aus Protest gegen die Infantino-Pläne sein Amt niedergelegt hat, schoss nun auch ein hochrangiger Direktor des Fußball-Weltverbands gegen den Schweizer: Kevin Lamour, der FIFA-Betriebsdirektor.
Laut Lamour habe Infantino nicht nur die Fußballverbände und Konföderationen vor vollendete Tatsachen gestellt, sondern auch die Mitarbeiter "getäuscht", wie der hochrangige Direktor des Fußball-Weltverbands in einem Schreiben an die Nachrichtenagentur "AP" erklärte. "Es ist das Projekt einer Person. Nicht nur darf dieses Projekt nicht weitergehen. Aber die Zeit ist nun gekommen, dass sich die politischen Entscheidungsträger im Fußball die richtigen Fragen stellen und die richtigen Entscheidungen treffen", meinte Lamour und deutete sogar Konsequenzen für Infantino an.
Der gebürtige Franzose mit einem Schweizer Pass hatte seinen Posten nicht niedergelegt, trotzdem stellt er sich gegen Infantino. "Falls das bedeutet, dass ich meinen Job verliere, dann ist es so. Ich werde diese Entscheidung verstehen und respektieren. Zumindest werde ich nachts ruhig schlafen", so Lamour.
Nachdem Infantinos Plan dermaßen krachend gescheitert ist, stellt sich die Frage, ob es dem 56-jährigen Schweizer nicht selbst an den Kragen gehen könnte. Im März 2027 steht die Wahl des FIFA-Präsidenten an. Bisher galt Infantino als sicherer Gewinner dieser Wahl. Das könnte sich nun aber drastisch geändert haben.