Vor dem Hintergrund der angespannten Lage zwischen den USA und Kanada hat US-Präsident Donald Trump laut eigenen Angaben kanadischen Flugzeugen die Zulassung für die USA entzogen. Trump erklärte am Donnerstag auf seinem Onlinedienst Truth Social: Solange Ottawa den Flugzeugen des US-Herstellers Gulfstream Aerospace keine Zulassung erteile, entziehe Washington den Maschinen des kanadischen Flugzeugbauers Bombardier "und allen in Kanada hergestellten Flugzeugen" die Zulassung.
Trump drohte Ottawa außerdem mit Zöllen von 50 Prozent auf Flugzeuge. Bis jetzt ist unklar, ob der US-Präsident überhaupt einseitig die Zulassung für Flugzeuge entziehen kann oder was das konkret bedeuten würde. Das US-Verkehrsministerium und die Luftfahrtbehörde FAA verwiesen auf das Weiße Haus. Von dort gab es auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur AFP vorerst keine Antwort.
Das in Quebec ansässige Unternehmen Bombardier teilte mit, man habe von Trumps Aussage "Kenntnis genommen" und stehe "in Kontakt mit der kanadischen Regierung". Täglich würden tausende in Kanada gebaute Flugzeuge in die USA fliegen. "Wir hoffen, dass dies schnell gelöst wird, um erhebliche Auswirkungen auf den Luftverkehr" zu vermeiden, so Bombardier.
Ein Zulassungs-Entzug für alle in Kanada hergestellten Flugzeuge würde auch CRJ-Regionalflieger und Airbus-Maschinen vom Typ A220 treffen. Diese Flieger sind bei mehreren großen US-Fluglinien auf Kurzstrecken im Einsatz.
Schon am Wochenende hatte Trump Kanada mit Zöllen von 100 Prozent gedroht, falls das Land ein geplantes Handelsabkommen mit China abschließt. Der kanadische Premierminister Mark Carney irre sich gewaltig, wenn er glaube, er könne Kanada in einen Umschlagplatz für chinesische Waren Richtung USA verwandeln, schrieb Trump.
Am Donnerstag legte Trump nach: Es sei "sehr gefährlich" für Kanada, mit China Geschäfte zu machen, erklärte er bei einer Premiere für einen Dokumentarfilm über seine Ehefrau Melania Trump in Washington vor Journalisten. "Kanada geht es nicht gut. Es geht ihnen sehr schlecht, und man darf China nicht als Lösung betrachten", sagte Trump.
Carney hatte Mitte Jänner bei einem Besuch in Peking eine "neue strategische Partnerschaft" mit China angekündigt und ein Handelsabkommen vorgestellt. Peking will demnach bis 1. März die Zölle auf kanadische Raps-Importe von derzeit 84 Prozent auf etwa 15 Prozent senken. Außerdem sollen Kanadier künftig visumfrei nach China reisen dürfen. Im Gegenzug will Kanada 49.000 chinesische E-Autos zu neuen Vorzugszöllen von 6,1 Prozent importieren.
Das Verhältnis zwischen den USA und dem nördlichen Nachbarn Kanada ist seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus vor einem Jahr massiv abgekühlt. Neben Zöllen hat Trump immer wieder auch mit einer Annexion Kanadas gedroht, um das Land zum 51. Bundesstaat der USA zu machen.