Weltmarkt-Führer aus NÖ

"100 neue Arbeitsplätze"– Bahnmotoren-Hersteller wächst

Der Motoren-Hersteller TSA erweitert seinen Standort in Wiener Neudorf, investiert 30 Millionen Euro – und schafft 100 zusätzliche Arbeitsplätze.
Aram Ghadimi
06.11.2025, 04:00
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Die U-Bahnen in Berlin, Glasgow, Amsterdam oder Wien, Straßenbahnen und Züge – sie alle sind mit speziellen Motoren unterwegs, die in Niederösterreich bei der Traktionssysteme Austria GmbH (TSA) gebaut werden. Die TSA mit ihrem Werk in Wiener Neudorf ist der größte Hersteller von Bahnmotoren weltweit. Während andere Branchen mit der aktuellen Wirtschaftsflaute kämpfen, freut sich die TSA über zahlreiche Aufträge.

Steigende Nachfrage weltweit

Wie kürzlich der ORF berichtet hat, sieht TSA-Geschäftsführer Robert Tencl "im Bereich der Elektromobilität auf der Schiene, aber auch im Bereich der Elektromobilität auf der Straße – das betrifft vor allem Elektro-Busse und Elektro-Lkw – eine ungebremste Nachfrage […] Wir rechnen auch in den nächsten Jahren mit einer deutlichen Steigerung dieser Nachfrage"

Robert Tencl in der Werkshalle der Traktionssysteme Austria GmbH in Wiener Neudorf.
Traktionssysteme Austria

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, die Tencl prognostiziert, wird jetzt der Standort in Wiener Neudorf ausgebaut: "Wir werden hier ein hochmodernes Stanzzentrum für die Elektroblechfertigung aufbauen. Das ist für uns deshalb wichtig, weil wir derzeit 70 Prozent dieser Materialien zukaufen müssen. Mit dieser Investition können wir dann 100 Prozent der Elektrobleche selbst herstellen", erklärt Tencl.

Robert Tencl (l.) mit einem Team der Traktionssysteme Austria (TSA) hinter einem X-Wagen Motor, wie er etwa bei den Wiener Linien im Einsatz ist.
Traktionssysteme Austria / APA-OTS

Wertschöpfung für Österreich

Die erste Etappe des Ausbaus wird sich vermutlich über das ganze kommende Jahr erstrecken. Bereits 2027 soll Produktionsstart sein. Dazu Tencl: "Mit dem neuen Werk schaffen wir ein Kompetenzzentrum, das unsere Fertigungstiefe erhöht, Durchlaufzeiten reduziert und langfristig Know-how am Standort hält. Damit stärken wir nicht nur TSA, sondern die gesamte Wertschöpfungskette in Österreich." Zur Veranschaulichung: Alle Schienenfahrzeuge der Wiener Linien fahren ausschließlich mit TSA-Motoren.

Die Traktionssysteme Austria GmbH (TSA)

Das Unternehmen mit Sitz in Wiener Neudorf ging im Jahr 2000 aus einem einem Standort der Asea Brown Boveri (ABB) hervor und zählt zu den führenden Entwicklern von Traktionsmotoren, Getrieben und Generatoren für Bahn- und Straßenfahrzeuge weltweit. TSA beschäftigt derzeit rund 690 Mitarbeiter in Österreich und weitere 1.000 im internationalen Verbund mit Tochterfirmen in Bosnien, Indien, China und den USA. Die Produkte des Unternehmens kommen in knapp 70 Ländern der Welt zum Einsatz. Jährlich liefert das indische Joint Venture bis zu 3.000 Motoren, während die TSA hierzulande zuletzt über 9.000 Motoren allein für die Wiener U-Bahn fertigte. Der Jahresumsatz liegt bei 120 Millionen Euro. Erst 2024 wurde der Hauptsitz Wiener Neudorf um eine neue Logistik- und Montagehalle erweitert.

100 neue Arbeitsplätze

Für die Zukunft grüner Mobilität nimmt die TSA viel Geld in die Hand: 9,5 Millionen Euro sollen am Beginn in das neue Werk in Wiener Neudorf gesteckt werden. Und das ist laut Geschäftsführung erst der Anfang: In den nächsten vier Jahren sind Investitionen von insgesamt rund 30 Millionen Euro geplant – damit entstehen etwa 100 neue Arbeitsplätze.

Minister Hanke war bei Auftakt-Veranstaltung

Bei der Spatenstichfeier am Dienstag, 4. November 2025, war auch Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ) vor Ort. Er hat angekündigt, dass die Bundesregierung weiter in heimische Betriebe investieren wird: "Was wir tun können als Bundesregierung, ist in unsere Unternehmen zu investieren. Und das tun wir mit Liebe und Intensität in den nächsten Jahren", so Hanke.

v.l.n.r.: Harold Schmidt (Geschäftsführer TSA), Peter Hanke (Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur), Robert Tencl (Geschäftsführer TSA), Marlene Zeidler-Beck (Abgeordnete zum NÖ Landtag), Silvia Drechsler (Bürgermeisterin Mödling), Herbert Janschka (Bürgermeister Wr. Neudorf), Wolfgang Ecker (Präsident Wirtschafskammer Niederösterreich)
Traktionssysteme Austria / APA-OTS

Gefragte Export-Produkte

Jedes Jahr werden bei TSA in Wiener Neudorf etwa 10.000 Elektromotoren für die Schiene und weitere 3.000 für die Straße gebaut. Und während hierzulande Arbeitsplätze entstehen gehören die Produkte aus Wiener Neudorf zu den wichtigsten Exportschlagern im wirtschaftlich gebeutelten Österreich: 95 Prozent der Bahnmotoren gehen nämlich ins Ausland – in über 70 Länder der Erde. Der wichtigste Markt ist hierbei Europa, aber auch die USA kaufen fleißig ein.

Der Markenauftritt der TSA ist sozial (Top-Ausbilder für Lehrlinge), ökologisch (eigene Imkerei am Dach) und teils witzig – Berlin will man vor dem Stillstand gerettet haben. Auch in Deutschland die Nase vorne zu haben, hat die TSA zu diesem Video inspiriert:

Und noch etwas ist interessant: Wer bei Zukunftstechnologien den Ton angibt und weltweit den öffentlichen Personen- und Güterverkehr mit den essentiellsten Komponenten versorgt – ohne Antrieb fährt kein Zug – kann sich auch in der widrigsten Wirtschaftslage behaupten. So sagt TSA-Chef Robert Tencl, dass die von US-Präsident Trump im Sommer eingeführten Zölle zwar "ärgerlich" seien, doch eine echte Bedrohung würden sie nicht darstellen.

{title && {title} } agh, {title && {title} } Akt. 06.11.2025, 10:05, 06.11.2025, 04:00
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