Trifft Böller-Touristen aus NÖ

Das ist ein Knaller! Tschechien verschärft Pyro-Verkauf

Tschechien verschärft seine Pyrotechnik-Gesetze. Strengere Regeln und Kontrollen sollen Böllertourismus und schwere Unfälle eindämmen.
Aram Ghadimi
08.12.2025, 17:57
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Wer es in der Vergangenheit richtig krachen lassen wollte, fuhr zum Teil nach Tschechien, um sich mit hierzulande verbotenen Knall- und Feuerwerkskörpern auszurüsten. Denn bisher war es in Tschechien möglich, Raketen, Böller oder sogar Kugelbomben der Kategorie F3 ganz legal zu kaufen – anders als in Österreich. Aber seit 1. Dezember ist nun damit Schluss.

Aus Böller wird Knallerbse

Das Einzige, was man bislang als Böllertourist brauchte, war ein Altersnachweis. Mit 21 Jahren wurde einem all das ausgehändigt, was in Österreich längst verboten war. Das hat viele über die Grenze gelockt und bei tschechischen Händlern den Geldbeutel wachsen lassen. Durch die neue Regelung wird aus höllisch lauten Böllern kleine Knallerbsen – sehr zur Freude vieler Hundehalter.

Nur noch Pyrotechnik der Kategorie F1 – dazu zählen Wunderkerzen, Knallerbsen oder Tischfeuerwerk – ist künftig in Tschechien erlaubt. Das Kleinfeuerwerk macht vergleichsweise wenig Lärm und ist relativ ungefährlich.

Attacke auf Böllertourismus

Kategorie F2 soll es nur noch in einschlägigen Fachgeschäften geben. Und die gefährlichen F3-Produkte gibt es nicht mehr ohne Fachkundenachweis. Laut einem ORF-Bericht, will die tschechische Regierung damit den Böllertourismus aus Österreich eindämmen und die Sicherheit erhöhen. Nicht unbegründet: Immer wieder kam es in den letzten Jahren zu schweren Unfällen und sogar Todesfällen durch die in Tschechien gekauften Böller und Raketen.

WKO-Sprecher: "Lobenswerte Initiative"

"Lobenswert", findet das Thomas Köchl, Branchensprecher der Pyrotechniker in der Wirtschaftskammer, "weil sie sich schon sehr ans österreichische Gesetz annähern." Köchl, der sein Geschäft in Aggsbach-Markt (Bezirk Krems) betreibt, sagt, dass ihm die bisherigen, lockeren Gesetze in Tschechien schon lange ein Dorn im Auge waren. Er hofft: "dass die Österreicher auch so gescheit sind und nicht wieder illegal Ware einführen, mit der wieder schwere Verletzungen einhergehen."

Nicht ohne: Wer sich nicht an die neuen Vorschriften hält, riskiert saftige Strafen – bis zu 20.000 Euro. Allerdings, so Köchl, müsse diese Regeln auch kontrolliert werden: "Die Gewerbebehörde hätte auch jetzt schon die Chance gehabt zu kontrollieren, es gibt sehr viele Asia-Märkte, die keine Gewerbeberechtigung haben. Ich hoffe natürlich, dass das besser wird."

Illegaler Verkauf geht weiter

Trotz der neuen Gesetze scheint sich in der Praxis noch nicht überall etwas geändert zu haben. Bei einem Lokalaugenschein des ORF, knapp hinter der Grenze bei Kleinhaugsdorf (Bezirk Hollabrunn), waren auf den ersten Blick keine Raketen oder Böller zu sehen. Doch tatsächlich wurden die Pyrotechnik-Produkte in Containern und Transportern versteckt.

Auf Nachfrage, zeigen die Verkäufer ganz offen ihr Sortiment – darunter auch Feuerwerkskörper der Kategorien F2 und F3. Die Container und Lieferwagen waren randvoll beladen. Sobald aber eine TV-Kamera auftauchte, war der Verkauf innerhalb weniger Minuten vorbei. Ein Katz-Maus-Spiel, das vermutlich noch einige Zeit weitergeht.

Österreich kontrolliert Grenze

Für die Kontrollen innerhalb Tschechiens sind die dortige Gewerbeaufsichtsbehörde und die Bezirksbergbaubehörden zuständig. Gegenüber dem ORF hieß es, dass Verstöße jetzt auch direkt vor Ort mit Geldstrafen geahndet werden könnten. Ob man gegen die zwielichtigen Händler künftig härter vorgehen wird, wollte die Behörde aber nicht sagen.

In Österreich sind die Behörden jedenfalls schon seit Wochen alarmiert. Seit Mitte November gibt es an der Grenze wieder strenge Kontrollen, die bis Silvester noch weiter verschärft werden sollen.

{title && {title} } agh, {title && {title} } Akt. 08.12.2025, 18:05, 08.12.2025, 17:57
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