Wenn Wasser verdunstet, entzieht es der Umgebung Wärme und sorgt so für Abkühlung. Dieses natürliche Prinzip nutzt nun ein Team der TU Graz, um die Hitze in Städten zu bekämpfen. Sie setzen dabei auf Wände aus speziellen Keramikwürfeln, die eine besonders große Oberfläche für die Verdunstung bieten.
Milena Stavric vom Institut für Architektur und Medien erklärt: „Unser Ziel ist es, Kühlung dort bereitzustellen, wo Menschen besonders unter Hitze leiden – etwa in Städten, wo Kühlung durch Bäume teilweise kaum möglich ist. Dafür setzen wir auf natürliche Kühlprinzipien statt auf energieintensive Klimatechnik.“
Die Wände werden mithilfe von 3D-Druck aus Ton und Schlamm gefertigt – Materialien, die bereits im antiken Griechenland verwendet wurden. Die rund zwei mal zwei Meter großen Wände bestehen aus etwa 23 Zentimeter großen Keramikwürfeln mit hoher Porosität. Dadurch können sie viel Wasser aufnehmen und langsam wieder abgeben, was die unmittelbare Umgebung abkühlt.
Das Forschungsteam testet verschiedene Zusätze wie Pilzkulturen und Holzspäne, um die Porenstruktur der Keramikwürfel weiter zu optimieren. Das feine Netzwerk, das nach dem Verbrennen dieser Zusätze entsteht, verbessert die Wasserverteilung im Inneren der Würfel deutlich.
Bei einem Praxistest in einem heißen Dachgeschoss der TU Graz konnte durch einen mit Wasser befüllten Keramikwürfel die Temperatur in der Umgebung um fast sieben Grad Celsius gesenkt werden.
Auch andere Materialmischungen werden erprobt – etwa mit Schlamm aus dem Neusiedler See, der regelmäßig abgebaggert werden muss, um die Verlandung zu verhindern. Bislang wurde dieses Material meist entsorgt, künftig könnte es laut den Forschern der TU Graz als nachhaltiger Baustoff für ressourcenschonende Bauprozesse dienen.