Verborgene Wärmeinseln

Über 25 Grad: Unter Wien wird sogar Grundwasser heiß

Nicht nur Straßen und Wohnungen heizen sich auf. Ein Wiener Forscher deckt Hitzeinseln im Grundwasser tief unter der Stadt auf, warnt vor den Folgen.
Roman Palman
03.08.2026, 15:07
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Der Osten Österreichs glüht. Der zweite Höhepunkt der neuen Hitzewelle bringt wieder 40 Grad im Schatten, die GeoSphere Austria hat bis inklusive Mittwoch die höchste Hitzewarnstufe Rot ausgegeben.

Dabei sind schon "normale" Sommertemperaturen in vielen Straßen Wiens kaum auszuhalten. Gerade dort, wo es nur Asphalt, Beton und Häuserfassaden gibt, ist es unerträglich. "Das heizt sich so stark auf, weil die Sonnenenergie und Wärme sich sozusagen in diesen Materialien speichert und akkumuliert", erklärt Christian Griebler von der Universität Wien in einem Ö1-Interview.

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Wo Flächen versiegelt sind, Bäume fehlen und kaum Wasser verdunsten kann, wird die Hitze gespeichert.

U-Bahn, Garagen, Rohre - alles gibt Wärme ab

Doch laut dem Ökologen und Klimaforscher bleibt die Erwärmung nicht an der Oberfläche stehen. Auch tief unter der Stadt entstehen Hitzeinseln - und sie betreffen ausgerechnet das Grundwasser.

Das Problem endet aber nicht bei aufgeheizten Straßen. Griebler verweist auf zahlreiche Wärmequellen im Untergrund: U-Bahn-Tunnel, Tiefgaragen, Wärmeversorgung und Abwasserrohre geben Hitze ab. Auch die Versiegelung spielt eine Rolle, weil Wärme aus der Stadt in tiefere Schichten weitergeleitet wird.

Die Folge: Unter Wien gibt es Bereiche, in denen das Grundwasser deutlich wärmer ist als im natürlichen Zustand. Außerhalb der Stadt hätte es laut Griebler etwa 10 Grad Celsius. Der bloße Effekt dichter Verbauung könne es bereits um zwei bis drei Grad erwärmen. Doch in manchen Wiener Bereichen geht es weit darüber hinaus.

Grundwasser ist mehr als nur Wasser

"Wir haben aber Wärmeinseln in Wien, wo wir Grundwasser über 25 Grad haben und noch höher", warnt der Wissenschafter.

Das klingt zunächst abstrakt, hat aber eine wichtige Bedeutung. Denn Grundwasser ist nicht nur bloß Süßwasser, sondern auch ein eigenes, bisher nicht wenig erforschtes Ökosystem. Dort leben unzählige Bakterien, kleine Krebstiere, Würmer, Schnecken und Milben. Sie helfen dabei, Hohlräume offenzuhalten und tragen zur natürlichen Wasserreinigung bei.

"Die fressen Mikroorganismen dort, wo sie sich zu viel vermehren. Und die Mikroorganismen helfen, Schadstoffe und Nährstoffe rauszunehmen, die zu recyceln und abzubauen", gibt Griebler Einblick in diese für uns verborgene und besonders schützenswerte Welt.

Denn das Grundwasser ist der "unsichtbaren Süßwasserschatz" Österreichs, mahnt der Ökologe. Es sei mengenmäßig rund 100-mal mehr als das Wasser in Seen und Flüssen zusammen. "Das ist eigentlich der richtige Speicher, von dem wir zehren".

Wird das Grundwasser zu warm, gerät diese Lebensgemeinschaft aber unter Druck. Viele Organismen sind an niedrige Temperaturen angepasst. "Sie sind darauf angewiesen, dass nicht zu viel Energie ins System kommt. Weil dann wandern andere Tiere ein, die einfach kompetitiver sind und sie verdrängen."

Aufgrund ihrer sehr langen Lebenszeiten und Lebenszyklen könnten sich die Bewohner der Grundwasserschichten von solchen Störungen nur schwer erholen, ausweichen können sie nicht. Ihr (noch) Vorhandensein macht sie für uns Menschen aber auch zu einem guten Zeiger für die Wasserqualität.

Forscher fordert Entsiegelung

Aus Sicht Grieblers braucht es deshalb ein Umdenken in der Stadtplanung. Er spricht von "unterirdischer Raumplanung" - also davon, den Untergrund nicht länger nur als Platz für Tunnel, Garagen, Leitungen und Energieanlagen zu betrachten.

Gleichzeitig müsse Wien "massivst entsiegeln". Offene Flächen, Bäume, Pflanzen und Wasser können kühlen, weil über Verdunstung Hitze abgeführt wird. Was an der Oberfläche hilft, kann langfristig auch den Untergrund entlasten.

Sogar die Wärme im Grundwasser könnte laut Griebler genutzt werden - etwa als Energiequelle, oder um Gehsteige im Winter eisfrei zu halten. Entscheidend sei aber, konkrete Wärmequellen zu erkennen, gezielt anzugehen und damit auch dem Ökosystem etwas Gutes zu tun.

{title && {title} } rcp, {title && {title} } 03.08.2026, 15:07