Die Grundwasserstände in Österreich liegen derzeit großteils unter dem Normalniveau. Nach Angaben des Umweltministeriums sind rund 90 Prozent der Messstellen niedrig oder sehr niedrig. Auswirkungen auf die flächendeckende Versorgung mit Trinkwasser habe das derzeit aber nicht.
Dennoch spricht das Ministerium von einer angespannten Lage. "Die Situation ist angespannt, und zu Spitzenzeiten, also wenn gleichzeitig besonders viel Wasser entnommen wird, können Engpässe auftreten. Die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser hat oberste Priorität", hieß es am Freitag.
Österreich zählt zu den wasserreichsten Ländern Europas. Das Trinkwasser stammt ausschließlich aus Grund- und Quellwasser. Rund 55 Prozent kommen aus Grundwasserbrunnen, weitere 45 Prozent aus Quellen. Etwa 93 Prozent der Bevölkerung werden von öffentlichen Wasserversorgern beliefert, rund sieben Prozent nutzen eigene Hausbrunnen oder Quellen.
"In Österreich können wir kristallklares Trinkwasser direkt aus der Leitung trinken. Das ist keine Selbstverständlichkeit", sagte Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) der APA. Österreich investiere seit Jahrzehnten in Brunnen, Quellfassungen und den Ausbau des Leitungsnetzes. Zudem solle der "Trinkwassersicherungsplan" auch in schwierigen Situationen eine verlässliche Versorgung gewährleisten.
Laut der Studie "Wasserschatz Österreichs" stehen nachhaltig rund 5,1 Milliarden Kubikmeter Grundwasser pro Jahr zur Verfügung. Für die öffentliche Wasserversorgung werden derzeit rund 753 Millionen Kubikmeter jährlich benötigt. Gleichzeitig zeigen Berechnungen, dass der Klimawandel diesen Spielraum künftig verkleinern dürfte.
Niedrige Grundwasserstände bedeuten laut Ministerium nicht automatisch, dass das Trinkwasser ausgeht. Sie führen zunächst dazu, dass Brunnen und Quellen weniger Wasser liefern als gewöhnlich.
Größere Wasserversorger können Ausfälle einzelner Brunnen oder Quellen häufig durch Verbundleitungen, Hochbehälter oder weitere Wasserfassungen ausgleichen. Kleinere Versorgungssysteme sowie private Hausbrunnen sind dagegen bei längeren Trockenperioden anfälliger.
Zusätzlich steigt an heißen Tagen meist auch der Wasserverbrauch. Gartenbewässerung, das Befüllen von Swimmingpools oder andere Nutzungen können zu Verbrauchsspitzen führen. Kritisch wird die Lage laut Ministerium vor allem dann, wenn sinkende Fördermengen und außergewöhnlich hoher Wasserverbrauch gleichzeitig auftreten.
Kommt es regional zu Versorgungsengpässen, können Gemeinden auf Grundlage ihrer Wasserleitungsordnungen den Wasserverbrauch einschränken oder einzelne Nutzungen untersagen. Betroffen wären zunächst vor allem nicht notwendige Wasserverwendungen wie Gartenbewässerung oder das Befüllen von Pools.
Für außergewöhnliche Fälle sieht auch das Wasserrechtsgesetz Maßnahmen vor. Die zuständige Bezirksverwaltungsbehörde kann bei vorübergehendem, dringendem Wassermangel Anordnungen treffen, um den notwendigen Haus- und Wirtschaftsbedarf der Bevölkerung sicherzustellen.