Der kurze Regen am Freitag hat kaum Entspannung gebracht. Die Trockenheit hält Österreich weiter fest im Griff. Laut Umweltministerium liegen derzeit 90 Prozent der Grundwasserpegel im niedrigen oder sehr niedrigen Bereich.
Die großflächige Trinkwasserversorgung sei zwar nicht gefährdet. Regional ist die Lage aber angespannt. Besonders problematisch wird es, wenn lange Trockenperioden auf einen hohen Wasserverbrauch treffen. Dazu zählen die Bewässerung von Gärten und Feldern sowie das Befüllen von privaten Pools.
Fachleute erwarten, dass aufgrund des menschenverursachten Klimawandels saisonaler und regionaler Wassermangel künftig häufiger auftreten wird. Roman Neunteufel von der Universität für Bodenkultur erklärte am Freitag im Ö1-Morgenjournal, dass es ein Weiter wie bisher nicht mehr möglich sein wird: "Jetzt stehen wir an einem Punkt, wo man sagen muss: Okay, wenn die Bevölkerung nicht mehr gesichert mit Trinkwasser zu versorgen ist, dann muss man sich zumindest in manchen Regionen - etwa im trockenen Osten - neue Dinge einfallen lassen."
Besonders betroffen sind derzeit Grünfutter und Gemüse wie Kartoffeln. In mehreren Regionen klagen Landwirte über große Ernteausfälle. Die Landwirtschaft, die derzeit vorrangig das Grundwasser anzapft, könnte deshalb vermehrt auf Speicherseen oder Flüsse zurückgreifen.
In Spanien und Kalifornien sei dieses Vorgehen bereits üblich, so der Experte: "Wenn's bei uns so weitergeht, dass die Landwirtschaft permanent über Ernteausfälle klagt, dann wird sicherlich auch bei uns eine größere Oberflächenbewässerungskultur etablieren". Das könnten auch weitere Kanäle sein, die sich aus der Donau speisen - wie etwa der Marchfeldkanal.
Doch auch die Donau führt wenig Wasser. Das Niederwasser beeinträchtigt bereits die Schifffahrt. Auf den Almen wird ebenfalls das Wasser knapp. Weil die Futtergrundlage zurückgeht, müssen in manche Gebiete sogar Wassertanks für das Vieh gebracht werden, berichtet der ORF.
Neunteufel sieht auch ein Umdenken bei der Vergabe von Wasserrechten an die Industrie notwendig: "Bisher war es einfach gang und gäbe, dass wir genug Wasser haben. Wenn ein Betrieb sich um Wasser bewirbt, dann hat die Behörde das zu genehmigen, wenn keine Interessenkonflikte entgegenstehen." Diese werden durch die Trockenheit immer mehr.
Der BOKU-Experte rechnet damit, dass Wasserrechte in Zukunft deutlich restriktiver sein werden müssen. Einige Landesregierungen, etwa im Burgenland, hätten schon angefangen, die Entnahmerechte an den Grundwasserstand zu knüpfen.
Österreich verfügt laut der Studie "Wasserschatz Österreichs" nachhaltig über rund 5,1 Milliarden Kubikmeter Grundwasser pro Jahr. Für die öffentliche Wasserversorgung werden derzeit etwa 753 Millionen Kubikmeter benötigt.
Der Klimawandel dürfte diesen Spielraum jedoch verkleinern. Das österreichische Trinkwasser stammt ausschließlich aus Grund- und Quellwasser. 93 Prozent der Bevölkerung werden von öffentlichen Wasserversorgern beliefert. Der Rest nutzt eigene Hausbrunnen oder Quellen.
Umwelt- und Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig verweist auf den Trinkwassersicherungsplan. Dieser soll gewährleisten, dass Österreich auch in schwierigen Situationen ausreichend versorgt bleibt.
Niedrige Grundwasserstände bedeuten zwar nicht automatisch, dass kein Trinkwasser mehr vorhanden ist. Bei regionalen Engpässen können Gemeinden den Verbrauch aber einschränken. Sie dürfen etwa das Befüllen von Pools, das Rasengießen oder das Autowaschen untersagen.
Die steirische Gemeinde Ardning im Bezirk Liezen hebt seit heuer für einen erhöhten Wasserverbrauch eine Poolgebühr von 60 bis 80 Euro ein. Während Trockenperioden sind dort außerdem Rasengießen, Autowaschen und das Reinigen von Vorplätzen verboten.
Für akute Notsituationen sieht auch das Wasserrechtsgesetz Maßnahmen vor. Bei einem vorübergehenden, dringenden Wassermangel können die Behörden Einschränkungen anordnen, um den notwendigen Bedarf der Bevölkerung zu sichern.
Das Umweltministerium arbeitet zudem an einem Wasserentnahmeregister. Ein Entwurf war bis zum Sommer angekündigt. Laut Totschnig befinde sich das Vorhaben in den finalen Zügen.
Kritik kommt von den Grünen. Landwirtschaftssprecherin Olga Voglauer wirft dem Minister vor, die Umsetzung bereits seit Monaten anzukündigen. Geliefert habe er bisher aber nicht.