Der Gasthof "Zur Schanz" zwischen Kufstein und Ebbs ist weit mehr als ein gewöhnliches Wirtshaus. Seit 1786 befand sich das Anwesen im Besitz der Familie von Maria Theresia Egger-Rieder. Zum historischen Ensemble gehört auch eine Hauskapelle.
Nun ist diese Ära zu Ende. Die drei Kinder der bisherigen Wirtin schlugen andere berufliche Wege ein. Gleichzeitig wurden die Bedingungen in der Gastronomie immer schwieriger. Bereits 2014 begann die Familie deshalb, nach einem Käufer für das Anwesen zu suchen. Die Reaktionen waren verhalten: "Die Interessierten sind nicht gerade in Zweierreihen Schlange gestanden."
Zuletzt wurde die "Schanz" nur noch als Bed & Breakfast geführt. Der Caterer Mustafa Bulut hatte sich bereits zuvor mit seinem Unternehmen in der großen Küche eingemietet. Schließlich übernahm Bulut gemeinsam mit zwei Partnern den gesamten Gasthof. Dafür wurde die Schanzhof GmbH gegründet. Neben Bulut gehört auch Bülent Celik, Betreiber einer Buchhaltungsfirma, zu den Käufern. Die Übergabe erfolgte Ende Juni.
Der Kaufpreis soll laut "Kronen Zeitung" bei rund vier Millionen Euro liegen. Die bisherige Eigentümerin wollte diese Summe nicht dementieren. "Natürlich hätte ich mir eine Zukunft in der Tiroler Tradition gewünscht, aber das war die realistischste Lösung", sagt sie.
Seit Bekanntwerden des Verkaufs wird in der Region heftig über die Zukunft des Traditionshauses spekuliert. Neben einem türkischen Veranstaltungs- oder Kulturzentrum ist auch von einer möglichen Moschee die Rede. Angeblich soll sogar die religiös-konservative Süleymancı-Bewegung in den Deal involviert sein. Belege dafür gibt es bislang jedoch nicht.
Bülent Celik weist die Moschee-Gerüchte zurück. Eine Moschee sei an diesem Standort abseits des Ortszentrums nicht geplant, erklärte er gegenüber der "Krone". Das endgültige Nutzungskonzept werde derzeit noch ausgearbeitet.
Fest steht laut den neuen Eigentümern, dass die große Küche weiterhin als Catering-Basis genutzt werden soll. Zusätzlich werde über ein gastronomisches Angebot nachgedacht. Möglich sei etwa ein Buffet mit gemischter Küche, das möglichst viele Gäste ansprechen soll.
Auch Veranstaltungen könnten künftig in der "Schanz" stattfinden. Dafür gebe es bereits zahlreiche Anfragen. Türkische Feiern oder traditionell-religiöse Treffen schließt Celik zwar nicht grundsätzlich aus, er betont aber: "Wir wollen niemanden belästigen, alles soll gemäßigt ablaufen".
Der Ebbser Bürgermeister Josef Ritzer bestätigte den Verkauf. Über die konkrete Zukunft des Hauses sei ihm bislang nichts Genaueres bekannt: "Kein Einheimischer war wohl bereit, den Kaufpreis zu bezahlen. Und leider ist der Generationenwechsel in diesem Fall nicht geglückt. Schade, dass die Wirtshaustradition hier wohl nicht weiterlebt."