Türkischer Sender macht "Drachenlord" zum Killer

"24 TV" präsentierte in einem Bericht zur tödlichen Schießerei in Utrecht Bilder des Tatverdächtigen. Zu sehen: ein deutscher YouTuber, der damit nicht das geringste zu tun hatte.
Rainer Winkler (29) bleibt auch wirklich nichts erspart. Nachdem der kontroverse YouTuber aus Deutschland, der in der Öffentlichkeit vor allem unter seinem Pseudonym "Drachenlord" bekannt ist, vergangenes Jahr in seinem Haus von Hunderten Menschen belagert wurde, wurde er jetzt von einem TV-Sender gar als mutmaßlicher Terrorist bzw. Amokläufer hingestellt.

In einem der ersten Beiträge zur Bim-Schießerei in Utrecht mit mindestens drei Toten präsentierte der türkische Privatsender "24 TV" gegen 14 Uhr Ortszeit den "Drachenlord" als Tatverdächtigen. In einer Reihe mit echten Aufnahmen vom Tatort am 24.-Oktober-Platz wurden Screenshots aus YouTube-Videos des Deutschen gezeigt, in denen er mit einer Faustfeuerwaffe zu sehen ist.



CommentCreated with Sketch.6 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Der regierungsnahe Sender verbreite damit ganz offensichtlich FakeNews, beklagt der deutsche Politikwissenschaftler Ismail Küpeli auf Twitter, dessen Account allerdings kurz darauf ohne Angaben von Gründen nicht mehr abrufbar war. Man könnte dahinter eine gezielte Bildmontage vermuten, doch "24 TV" veröffentlichte einen Mitschnitt des Nachrichtenbeitrags – inklusive "Drachenlord" – auf YouTube:



"Metal, Leute"

"Drachenlord" Rainer Winkler ist quasi YouTube-Urgestein und schon seit 2011 auf der Plattform aktiv. Nachdem er anfangs hauptsächlich über seine Leidenschaft, die Metal-Musik, sprach, riefen seine Vlogs und Livestreams bald immer kontroversere Reaktionen der Zuseher hervor. In der Netzgemeinde wurde es bald "in" über den "Drachenlord" zu schimpfen und zu lästern. Dieser lieferte seinen Kritikern mit unfreiwilligen Fehltritten, wie etwa dem Wunsch nach "Sex mit Pferden oder großen Wassertieren", allerdings auch fortwährend Material.



YouTuber "Drachenlord" lockt hunderte Demonstranten in Kuhkaff. (Video: Tilllate)

Das jahrelange Mobbing gipfelte vergangenes Jahr im sogenannten "Schanzenfest". Rund 800 Menschen belagerten im August das Haus des "Drachenlords" in seinem 6.000-Seelen-Heimatdorf. Mehr dazu in: Sonderkommando rückt zu deutschem YouTuber aus.

Auch jetzt noch versuchen immer wieder gehässige "Fans" in das Grundstück einzudringen. Das Haus wurde schon mehrfach mit Eiern beworfen, auch die Gräber von Winklers Familie wurden schon beschmutzt und beschädigt.

(rcp)

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