Schon vor dem Spiel der WM-Qualifikation waren am Mittwoch alle Augen nach Sevilla gerichtet. Die kosovarischen Spieler drohten damit, das Feld zu verlassen, wenn die Hymne des Staats nicht abgespielt und die Flagge des Kosovo nicht gehisst werde. Der Grund dafür: Spanien ist eines von fünf EU-Ländern, das die Souveränität des Kosovo nicht anerkennt.
Zu einem Hymnen-Eklat ist es nicht gekommen. Die kosovarische Hymne wurde dem Protokoll der UEFA entsprechend abgespielt, auch wenn die Verantwortlichen auf Nummer sicher gingen, keines der beiden Länder beim Namen nannten. Auf Flaggen, wie sie häufig vor den Mannschaften platziert sind, wurde gänzlich verzichtet.
Für gleich mehrere Skandale sorgte derweil der spanische Sender "TVE", der während der Übertragung beharrlich den Kosovo nicht beim Namen nannte. "Spanien trifft auf die Mannschaft des kosovarischen Fußballverbandes und wir hoffen, nicht so sehr zu leiden, wie in den beiden vergangenen Spielen", erklärte Moderator Juan Carlos Rivero gleich zu Beginn der TV-Übertragung.
Danach wurde beim öffentlich-rechtlichen Sender immer wieder vom kosovarischen Fußballverband oder der Föderation Kosovo gesprochen - nie allerdings von der Nationalmannschaft. Im Vorfeld hatte der spanische Verband bei der Kaderbekanntgabe etwa vom "Territorium Kosovo" gesprochen, vergleichbar mit den eigenständigen Nationalmannschaften Schottlands oder Nordirlands.
Besonders kurios wurde es allerdings bei der Anzeige im spanischen Fernsehen. Da waren die Gastgeber dem Standard entsprechend mit ESP abgekürzt worden, der Kosovo mit kos, also in Kleinbuchstaben. Ein klares Zeichen, dass die Eigenständigkeit des Balkan-Staats nicht anerkannt werde. In der internationalen Übertragung waren beide Teams korrekt abgekürzt gewesen.
Der spanische Staatsfunk war allerdings in seiner Berichterstattung nicht alleine. Denn auch mehrere Printmedien hatten in der Berichterstattung auf die Nennung des Kosovo verzichtet.
Zum Duell kam es, weil der spanische Verband keinen Antrag bei der FIFA gestellt hatte, aus politischen Gründen nicht gegen den Kosovo spielen zu wollen. Dies hatten etwa die Verbände Russlands, Serbiens oder Bosniens getan.