Welt

Überlebende erzählen vom Massaker-Horror

Heute Redaktion
14.09.2021, 16:08

Nach dem blutigen Amoklauf an einer US-Schule haben sich überlebende Schüler zu Wort gemeldet und die Eltern der erschossenen Kinder und der Vater des Täters ihren Schmerz öffentlich geteilt - auch US-Präsident Barack Obama will den Trauernden persönlich Beistand leisten.

Am Sonntagabend Ortszeit wurde Obama in Newtown erwartet, um auf einer Gedenkfeier für die erschossenen 20 Volksschulkinder und sechs Erwachsenen zu sprechen. Über ihren Tod werden immer mehr grausige Details bekannt, bis zu elf Mal schoss der Täter demnach auf die zwölf Mädchen und acht Buben im Alter von sechs und sieben Jahren. Sie hätten "verheerende Verletzungen" aufgewiesen, sagte der leitende Gerichtsmediziner H. Wayne Carver sichtlich erschüttert am Samstag.

"Es war entsetzlich", beschrieb eine 29-jährige Lehrerin . "Ich habe nicht geglaubt, dass wir überleben würden", sagte Kaitlin Roig dem US-Sender ABC. Als sie Schüsse hörte, habe sie sich mit ihren 14 Schülern auf der Toilette eingeschlossen. "Ich habe ihnen gesagt, sie müssten absolut still sein". "Es wird alles gut werden", habe sie die weinenden Kinder getröstet, erzählte die Lehrerin unter Tränen.

"Vorsicht, in der Schule ist ein wildes Tier!"

Der Mann sei ganz in schwarz gekleidet in die "Sandy Hook Elementary School" eingedrungen und habe das Feuer eröffnet. Er habe zudem eine schusssichere Weste getragen. Lehrer versuchten in Panik, ihre Schüler in Sicherheit zu bringen. Ein Kind berichtete, die Lehrer hätten sie mit der Begründung aus der Schule geführt, dass es dort "ein wildes Tier" gebe.

In einem Interview beschrieben Robert und Diane Licata, wie ihr sechsjähriger Sohn Aiden an dem Schützen vorbei aus der Klasse rannte, während der Täter seine Lehrerin und mehrere Mitschüler erschoss. Alle Opfer waren nach Polizeiangaben sechs oder sieben Jahre alt. Ersten Erkenntnissen vom Tatort zufolge erzwang der Täter den Zugang zur Schule. Der Polizeisprecher Paul Vance sagte, er sei "nicht freiwillig in die Schule hereingelassen worden".

Erstmals meldeten sich auch Eltern zu Wort

Erstmals meldeten sich auch Eltern der Opfer öffentlich zu Wort und sprachen über den schrecklichen Verlust. Emilie sei "klug, kreativ und sehr liebevoll" gewesen, erzählte der 30 Jahre alte Robbie Parker Journalisten über seine sechsjährige Tochter. Er wisse nicht, wie diese Tragödie durchzustehen sei, sagte der dreifache Vater mit Tränen in den Augen. Auch für die Familie des Schützen müsse dies eine schreckliche Erfahrung sein.

Auch . Er drückte den Angehörigen der Opfer sein tiefes Bedauern über die "enorme Tragödie" aus. In einer vom Sender CNN veröffentlichten Mitteilung erklärte er am Samstag, dass seine Familie mit den Ermittlern eng zusammenarbeite. Auch sie seien schockiert und hätten keine Erklärung für die Tat. Obama wollte nicht nur auf der Gedenkfeier sprechen, sondern auch Familien der Opfer treffen. Er hatte sich kurz nach der Bluttat vom Freitag in einer Ansprache auch als Vater von zwei Mädchen bestürzt und den Tränen nahe gezeigt.

Namen der Opfer veröffentlicht

In das Entsetzen über das Verbrechen drängt sich vor allem auch die Frage, warum . Welche Verbindung hatte er zur Sandy-Hook-Volksschule? Am Samstag wurde bekannt, dass entgegen ersten Berichten die Mutter laut Polizei keine Beziehung zu der Schule hatte. Zuvor hieß es, sie sei dort Lehrerin gewesen. Die Namen der anderen Opfer veröffentlichte die Staatspolizei von Connecticut am Samstag.

Aufschluss über das Motiv des Täters erhofft sich die Polizei von Unterlagen, die im Wohnhaus des Todesschützen sichergestellt wurden. Der 20-Jährige soll Berichten von Nachbarn und Bekannten zufolge in Newtown aufgewachsen sein. . Laut Polizei verschaffte sich der Todesschütze gewaltsam Zutritt zur Schule. Erst vor kurzem wurde dort ein neues Sicherheitssystem installiert. Medienberichten zufolge müssen Besucher klingeln und erscheinen dann auf einer Monitor. Erst wenn jemand innen auf den Türöffner drückt, kann man eintreten.

Neue Debatte über das Waffengesetz

Die Bluttat löste weltweit Bestürzung aus und entfachte zugleich eine neue . Präsident Obama forderte "bedeutsames Handeln, um weitere Tragödien wie diese zu verhindern". Der Gouverneur des Bundesstaates Connecticut, Dan Malloy, sagte: "Das Böse hat unsere Gemeinde besucht. Es ist eine schreckliche Zeit." An allen öffentlichen Gebäuden in den USA wurden die Flaggen auf halbmast gesetzt.

Bei dem Amoklauf starben:

Kinder

Charlotte Bacon, 6

Daniel Barden, 7

Olivia Engel, 6

Josephine Gay, 7

Ana Marquez-Greene, 6

Dylan Hockley, 6

Madeleine Hsu, 6

Catherine Hubbard, 6

Chase Kowalski, 7

Jesse Lewis, 6

James Mattioli, 6

Grace McDonnell, 7

Emilie Parker, 6

Jack Pinto, 6

Noah Pozner, 6

Caroline Previdi, 6

Jessica Rekos, 6

Avielle Richman, 6

Benjamin Wheeler, 6

Allison N. Wyatt, 6

Erwachsene

Rachel Davino, 29

Dawn Hochsprung, 47

Anne Marie Murphy, 52

Lauren Russeau, 20

Mary Sherlach, 56

Victoria Soto, 27

Lesen Sie weiter: Das hat der Vater eines getöteten Schülers zu sagen Robbie Parker hat bei dem Amoklauf in Newtown seine sechs Jahre alte Tochter Emilie verloren. Der trauernde Vater sprach öffentlich über seinen Verlust und die letzten Momente mit seiner Tochter: "Sie sagte, dass sie mich liebt, und ich gab ihr einen Kuss." Im folgenden ist das Statement und weitere Kommentare von Robbie Parker vor Journalisten vom Samstag dokumentiert.

"Mein Name ist Robbie Parker. Meine Familie ist eine von denen, die gestern ein Kind bei der Schießerei in der Sandy Hook Volksschule hier in Connecticut verloren haben. So viele Menschen und Organisationen haben mit mir Kontakt aufgenommen und wollten wissen, wie es uns geht. Ich glaube, dies könnte der beste Weg sein, diese Gefühle mit allen zu teilen.

Als erstes möchte ich all den Familien, die direkt von dieser Schießerei betroffen sind, unser tiefstes Beileid aussprechen. Es ist eine schreckliche Tragödie, und ich möchte, dass alle wissen, dass wir in unseren Herzen und Gebeten bei ihnen sind. Das gilt auch für die Familie des Schützen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie schwierig dies alles für Sie ist, und ich möchte, dass Sie wissen, dass unsere Familie, unsere Liebe und unsere Unterstützung auch Sie mit einschließt.

In diesem Moment möchten wir so vielen Menschen danken. So vielen Freunden, Verwandten, aber auch Fremden. Menschen, die wir gar nicht kennen - für die Liebe und Unterstützung und ihr Beileid.

Meine Tochter Emilie wäre eine der ersten, die all diesen Opfern ihre Liebe und Unterstützung geben würde. Denn das ist die Art von Mensch, der sie ist. Nicht aufgrund irgendwelcher Erziehungsmethoden von meiner Frau und mir, sondern weil das die Gaben waren, die sie von Gott bekommen hat.

Während sich nun die tiefe Trauer in unseren Herzen festsetzt, finden wir Trost, indem wir uns daran erinnern, was für ein unglaublicher Mensch Emilie war. Und wie viele Menschenleben sie berühren konnte, in der kurzen Zeit, die sie auf dieser Welt war.

Emilie war klug, kreativ und sehr liebevoll. Emilie wollte immer neue Dinge ausprobieren. Außer beim Essen. Sie liebte es, mit ihren Talenten die Leben aller zu rühren, mit denen sie in Kontakt kam. Sie war künstlerisch sehr begabt und trug immer ihre Stifte mit sich herum. Sie wollte keine Gelegenheit versäumen, ein Bild oder eine Karte für jemanden zu malen.

Ich kann gar nicht nachzählen, wie oft Emilie bemerkte, dass jemand traurig oder frustriert war und sie sofort ein Blatt Papier suchte, um ihnen etwas zu zeichnen oder etwas Aufmunterndes zu schreiben. Emilies Art, Karten zu machen, kam im vergangenen Oktober besonders schön zur Geltung. Sie legte eine sehr besondere Karte zu ihrem Opa in den Sarg, der auch erst vor kurzem bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen war.

Emilie war ein Mentor für ihre zwei kleinen Schwestern, und es machte ihr Freude, ihnen lesen oder tanzen beizubringen und die einfachen Freuden im Leben zu finden. Emilies Lachen war ansteckend, und all jene, die das Glück hatten, sie kennenzulernen, würden mir zustimmen, dass diese Welt ein besserer Ort ist, weil sie auf ihr war.

Wenn wir nun von dem, was hier passiert ist, in die Zukunft schauen, dann lassen wir das Geschehene nicht zu etwas werden, das uns bestimmt, sondern zu etwas, das uns inspiriert, zu besseren, mitfühlenderen und bescheideneren Menschen zu werden. Lasst uns bitte dieses Gefühl von Liebe, das wir für unsere Familien fühlen, und das Mitgefühl für andere beibehalten...sogar für völlig Fremde. Lasst uns diese Gefühle behalten, nicht nur in Zeiten von Schmerz und Leid. Und wir können dies tun, um unsere Gemeinden in all unseren Städten und Bundesstaaten besser zu machen, so dass sich alle sicher fühlen können. Vielen Dank."

"Ich war auf dem Weg zur Arbeit...und sie war wach, bevor ich weg bin. Und ich habe ihr etwas Portugiesisch beigebracht. Unsere letzte Unterhaltung war auf Portugiesisch. Sie hat 'Guten Morgen' gesagt und gefragt, wie es mir geht. Ich sagte, es ginge mir gut. Sie sagte, dass sie mich liebt, und ich gab ihr einen Kuss und war draußen bei der Tür."

"Unsere Töchter wurden innerhalb von drei Jahren nacheinander geboren, also stehen sie sich sehr nahe. Sie brachte meiner mittleren Tochter das Lesen bei und half meiner jüngsten Tochter, Sachen zu basteln. Sie sahen zu ihr auf und kamen zu ihr, wenn sie Trost brauchten. Normalerweise ist das was für Mutti und Vati, aber es war süß zuzusehen - wenn eine von ihnen hinfiel oder ihre Gefühle verletzt wurden, dann rannten sie zu Emilie für Hilfe, Umarmungen und Küsse."

"Sie war die Art von Mensch, der in einem Raum die Sonne aufgehen ließ. Sie hatte immer über jeden etwas Gutes zu sagen. Ihre Liebe und die Stärke, die sie uns gab, und das Vorbild, das sie für uns war, sind bewundernswert. Sie ist ein unglaublicher Mensch, und ich bin gesegnet, dass ich ihr Vater sein darf."

"Ich bin nicht wütend. Denn ich habe meinen freien Willen, dieses Ereignis zum Anlass zu nehmen, um alles zu tun, was ich kann, um sicherzustellen, dass meine Familie, meine Frau und meine Töchter versorgt sind. Und wenn es irgendetwas gibt, das ich tun kann, um jemandem zu helfen, jederzeit, egal wo, dann werde ich das tun."

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen