Dienstagnacht probierte es es der französische Präsident Emmanuel Macron erneut. In einem einstündigen Telefonat mit Wladimir Putin versuchte er, diesen zum Einlenken zu bewegen. Der Kreml-Chef antwortete mit voller Härte, besonders die schon lange belagerte Hafenstadt Mariupol soll nun endlich zu Fall gebracht werden.
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Den Verteidigern stellte Putin laut Mitteilung aus dem Kreml erneut ein Ultimatum: Bedingungslose Kapitulation, oder der Beschuss mit Raketen und Granaten wird weitergehen.
Und die Russen schießen wirklich alles kurz und klein, ohne Rücksicht darauf, ob es sich um Wohngebiete, Krankenhäuser, Schulen oder Kultureinrichtungen handelt. Aktuelle Bilder zeigen eine Stadt, die fast vollständig in Trümmern liegt:
Die Franzosen schildern, dass sie gemeinsam mit der Türkei, Griechenland und mehreren NGOs man einen Evakuierungsplan ausgearbeitet und Putin vorgelegt habe. Der russische Despot habe zumindest erklärt, über eine Evakuierung der Stadt und sicheres Geleit für die Zivilisten "nachdenken" zu wollen.
Zugeständnis ist das aber keines, denn schon länger versucht auch die Ukraine, mit den Russen humanitäre Korridore u.a. in Mariupol einzusetzen. Das scheiterte vielfach.
Schon mehr als 5.000 Menschen, darunter auch 200 Kinder, sollen in Mariupol bereits ums Leben gekommen sein. Das schilderte ein Geflüchteter namens Vadym Boychenko gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Die humanitäre Lage im Kessel ist jedenfalls schon länger "katastrophal". Auch im Elysee-Palast ist man sich dessen bewusstt: "Die zivile Bevölkerung muss geschützt werden und die Stadt verlassen können, wenn sie es will. Sie benötigen Zugang zu Essen, Trinkwasser und allen gebrauchten Medikamente", betonen die Franzosen.
Mariupol liegt in der Donbass-Region direkt am Asowschen Meer und ist sowohl für die Ukraine als auch für Russland von strategischer Bedeutung. Das liegt nicht nur am dortigen Meereshafen, oder dem riesigen Stahlwerk. Die vor dem Krieg rund 440.000 Einwohner zählende Stadt ist ein wichtiger Verkehrsknoten und aktuell der große Dorn in der russischen Flanke zwischen den Krim-Streitkräften, jenen im Donbass und der Verstärkung aus Rostow am Don.
Weil die russische Militär-Logistik laut westlichen Analysen nicht mit dem Vormarsch Schritt halten konnte und eine Rundum-Versorgung aller angebrochenen Fronten kaum noch möglich ist, konzentriert sich Putins Armee nun erklärterweise besonders auf den Osten. Hier sieht man die größten Erfolgschancen – und die Ukraine keine Chance, die besetzten Gebiete je wieder zurückzuerobern.