Sowohl Russland als auch die Ukraine arbeiten laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an Alternativen zum Satellitennetzwerk Starlink von US-Technologieunternehmer Elon Musk. Moskau entwickelt gemeinsam mit China ein eigenes System und rechnet damit, das Projekt bis Dezember 2026 fertigzustellen, sagte Selenskyj in am Sonntag veröffentlichten Aussagen vor Journalisten.
Die Ukraine werde "nicht einfach dasitzen und darauf warten", dass Russland und China ihr System fertigstellen, so Selenskyj. Kiew arbeitet mit einem europäischen Land an einem ähnlichen Projekt und hat bereits mit Tests begonnen. Welches Land da mitmacht, verriet er nicht.
Starlink wird vom Raumfahrtunternehmen SpaceX des Tech-Milliardärs Elon Musk betrieben und ist für die Kommunikation der ukrainischen Streitkräfte sehr wichtig. Auch die russische Armee hatte Starlink-Terminals, etwa für Drohnenangriffe, genutzt. SpaceX hat jedoch im Februar Maßnahmen gesetzt, um die unbefugte russische Nutzung zu verhindern. Laut Experten haben die dadurch entstandenen Kommunikationsprobleme die russische Armee an der Front geschwächt.
Die Ukraine möchte Starlink auch für Einsätze auf russischem Gebiet nutzen und bemüht sich laut Selenskyj um das Okay von Musk und der US-Regierung. Musk sieht darin bisher die Gefahr einer Eskalation, sagte der Präsident. Kiew argumentiert dagegen, solche Einsätze könnten helfen, den Krieg zu verkürzen.
Nach Angaben von Selenskyj geht es der Ukraine vor allem darum, russische Abschussvorrichtungen für ballistische Raketen zu zerstören. Russland setzt solche Raketen verstärkt gegen die Ukraine ein. Sie können laut ukrainischer Darstellung besonders wirksam mit dem US-Luftabwehrsystem Patriot abgefangen werden.
Selenskyj wies darauf hin, dass die Lieferzahlen von Patriot-Abfangraketen sinken. Die Ukraine habe 2023 insgesamt 675 dieser Raketen bekommen, 2025 noch 364 und heuer bislang 264. Bei knappen Beständen muss die Ukraine daher verstärkt versuchen, russische Abschussstellungen selbst zu finden und anzugreifen.