Minister bei Demo mit Nazi-Verbrecher gleichgesetzt

Unter dem Motto "Kein Lockdown für Andersdenkende" gehen am Nationalfeiertag Gegner der Corona-Maßnahmen für Ungeimpfte in Wien auf die Straße.

Den Sommer über war es weitestgehend ruhig in Wien. Die Corona-Zahlen waren niedrig, zigtausende Menschen ließen sich jeden Tag impfen, es brauchte deswegen kaum Maßnahmen. Dementsprechend wenige Menschen hatten deswegen Anlass dazu, gegen eine "Corona-Diktatur" auf die Straße zu gehen. Mittlerweile ist das (wieder) anders.

Die Zahlen steigen, die Inzidenz liegt bei 270, hunderte Menschen liegen auf der Intensivstation. Man sah sich deswegen gezwungen, den Corona-Stufenplan auszubauen. Ab 500 belegten Intensivbetten dürfen Ungeimpfte nicht mehr in die Gastronomie, ab 600 müssen sie in den Lockdown. Angekündigt wurde das wenige Tage vor dem Nationalfeiertag, am 26. Oktober hätte aber so oder so eine als "Megademo" titulierte Kundgebung stattfinden sollen.

Stundenlange Demos

Durch die jüngsten Ereignisse ist diese nun wohl die größte des letzten halben Jahres und umfasst mehrere tausend Teilnehmer. Schon um 11 Uhr sammelten sich einige Menschen mit verschwörungstheoretischen Plakaten im Inneren Burghof, gemächlich spazierte man zum Westbahnhof, dem größten Treffpunkt der Demo.

Dabei passierte man auch das Museumsquartier, wo gerade die Partei "MFG" einen Flashmob abhielt, der in kollektiven Umarmungen, einer Polonaise und ausgelassenen Tanzeinlagen gipfelte.

"Mückstein = Mengele"

Gegen 13 Uhr zog schließlich die "Haupt-Demo" die Mariahilfer- und Gumpendorfer Straße hinab zum Resselpark. An der Spitze marschierten vermummte Personen aus der rechtsextremen Szene, auch eine Deutschland-Fahne war dabei. Auf dem Schild eines anderen Teilnehmers steht: "Mückstein ist Mengele in Sneakers". Die Polizei ermittelt bereits.

Offizielles Motto ist "Kein Lockdown für Andersdenkende". Transparente von Teilnehmern zeigen auch weiterhin "Kurz muss weg". Schlachtruf ist hingegen "Regierung muss weg".

Verkehrsbehinderungen in mehreren Bezirken

Die Polizei warnte bereits im Voraus vor "temporären Verkehrsbehinderungen und Sperren" in mehreren Bezirken, denn auch von der Leopoldstadt wollte ein Teil der Demo in die City marschieren. Die dort federführenden Aktivisten hatten sich mit jenen vom Westbahnhof darüber in die Haare gekriegt, wie mit Gewalt gegenüber der Polizei umzugehen ist und ob diese ein zulässiges Mittel ist.

Nichtsdestotrotz will man dann gemeinsam ab 16 Uhr den Ring entlang marschieren. Es ist deswegen bis in den frühen Abend mit starken Verkehrsbehinderungen zu rechnen. Am Karlsplatz nahm man den Demonstrationszug gegen 14 Uhr mit Songs wie "Du und ich und jeder weiß, die Corona-Ampel ist ja wohl ein riesen Scheiß", "Verdammt, ich impf mich, ich impf mich nicht" oder "Sie hatte nur ne Maske an".

Demo am Ring

Gab es vergangenes Jahr noch eine antifaschistische Gegendemonstration und Blockaden der Demo-Route, ist von Maßnahmen-Gegner-Gegnern 2021 bisher noch nichts zu sehen. Bereits kurz vor 16 Uhr setzt der Demonstrationszug in Bewegung und marschiert – angeführt von Martin Rutter – in Richtung Ring.

Dieser ist seit ca. 16 Uhr blockiert, die Teilnehmer gehen in Fahrtrichtung. Der Polizeihubschrauber ist unterwegs und überblickt von oben die Lage der derzeit stattfindenden Kundgebungen in diesem Bereich. Beobachter sprechen von bis zu 4.000 Teilnehmern, einige weitere hundert marschieren die Prater Hauptallee hinauf.

Verdächtiger Rucksack – Bombe?

Um 17 Uhr wurde der Demonstrationszug kurz am Franz-Josefs-Kai auf Höhe der U-Schottenring von der Polizei gestoppt. Am Rande der Fahrbahn liegen im Gebüsch ein Rucksack und eine Jacke – ein verdächtiger Rucksack! Um zu klären, ob es sich dabei um Sprengstoff (eine Bombe?) handelt, gibt er derzeit kein Voran.

Bis 17.20 Uhr wartete man vergebens auf das Sprengstoffkundige Organ. Sollte dieses in den nächsten Minuten nicht eintreffen, wurde angekündigt, man wolle umdrehen und sich eine andere Route suchen. so weit kam es nicht, kurz vor 17.30 Uhr kann die Demo weiter ihres Weges gehen.

Auch um 18.30 Uhr hat man in großen Teilen der Wiener City noch mit Staus, Sperren und Behinderungen zu rechnen. Die Demonstration wollte zum Ballhausplatz ziehen, musste aber schließlich wieder zum Resselpark hin abdrehen. Um 18.40 Uhr konnten alle Sperren wieder aufgehoben werden.

Staus auf Höhe Stadtpark erfordern von Wienern viel Geduld.
Staus auf Höhe Stadtpark erfordern von Wienern viel Geduld.Leserreporter
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