Mit scharfen Drohungen und massiven Sicherheitsvorkehrungen bereitet sich Russland auf die große Siegesparade in Moskau vor. Während nach offiziellen Angaben 50 ukrainische Drohnen abgefangen wurden, warnte der Kreml, es werde "keine Gnade" geben, falls die Feierlichkeiten angegriffen würden.
Die aus Berlin zugeschaltete Friedensnobelpreisträgerin Irina Scherbakowa sieht in der "ZiB 2" darin vor allem ein Zeichen wachsender Nervosität im Machtapparat. Im ORF erklärte sie, Putin habe sich mit der Inszenierung selbst unter Druck gesetzt. "Putin hat sich selbst in Falle gelockt. Parade war Kern der Propaganda-Geschichte", sagte Scherbakowa.
Bereits im Vorjahr sei die Veranstaltung von "unglaublicher ideologischer Propaganda" geprägt gewesen. Dabei sei es längst nicht mehr nur um den Sieg im Zweiten Weltkrieg gegangen, sondern vor allem um den Krieg gegen die Ukraine.
Für Scherbakowa zeigt die aktuelle Lage vor allem "Unsicherheit und Angst". Man merke, dass die Menschen kriegsmüde würden und "nicht mehr an Sieg glauben". Gleichzeitig verschlechtere sich die wirtschaftliche Situation in Russland zunehmend. Dadurch wachse auch der Unmut in der Bevölkerung und die Hoffnung schwinde, dass der Krieg bald enden könnte.
Die Historikerin zeichnete zudem ein düsteres Bild für den Kremlchef. "Putin ist in der Sackgasse. Den Krieg mit einem Sieg zu beenden scheint nicht mehr möglich zu sein", sagte sie. Deshalb versuche das Regime nun, mögliche politische Alternativen auszuschalten. Laut Scherbakowa gehe die Führung gezielt gegen Politiker vor, die für Wähler zu einer echten Alternative werden könnten. Am Ende werde sich die Frage stellen, "wie das Regime überhaupt überleben kann."