Seit unglaublichen 70 Jahren begeistert der Eurovision Song Contest Millionen Fans – doch hinter Glitzer, Glamour und Ohrwürmern steckt weit mehr als nur Unterhaltung. Eine neue Ausstellung im Haus der Geschichte Österreich zeigt jetzt: Der ESC war immer auch ein Spiegel der Zeit – und ein politisches Parkett.
Unter dem Titel "Unstoppable!" wird deutlich, wie eng Pop, Gesellschaft und Politik miteinander verwoben sind. Kurator Florian Wagner bringt es auf den Punkt: Selbst das Voting sei nicht nur Geschmacksfrage, sondern oft auch ein politisches Signal.
Offiziell gilt der ESC als unpolitisch – doch das ist nur die halbe Wahrheit. Themen wie Identität, Gleichberechtigung oder internationale Konflikte schwingen seit Jahrzehnten mit. Von der Aufbruchsstimmung der 1970er über die Umbrüche nach 1989 bis hin zu heutigen Diversity-Debatten: Die Bühne wird immer wieder zur Projektionsfläche gesellschaftlicher Entwicklungen.
Besonders prägend: der Sieg von Conchita Wurst im Jahr 2014. Ihr legendärer Satz "We are unity and unstoppable!" gab der Ausstellung ihren Namen – und steht sinnbildlich für die politische Kraft des Wettbewerbs.
Ein Blick zurück zeigt kuriose Details: Als Udo Jürgens 1966 gewann, präsentierte sich Österreich ein Jahr später beim ESC in imperialem Glanz – inklusive nostalgischem Habsburger-Flair.
Heute setzen Künstler und Moderatoren andere Zeichen: Regenbogenflaggen, Statements für Gleichberechtigung oder subtile Botschaften auf der Bühne gehören längst dazu. Selbst die Punktevergabe wird zur Bühne für Haltung.
Neben ikonischen Objekten – etwa Conchitas Kleid oder das Bühnenbild zu "Wasted Love" von JJ – beleuchtet die Online-Schau "Protest, Skandale, Politik. 70 Jahre Eurovision Song Contest" auch die Schattenseiten: Boykotte, politische Spannungen und bewegende Geschichten, etwa von Holocaust-Überlebenden oder internationalen Künstlern.